Belinda Stronach will Tories leiten

16. Jänner 2004, 22:55
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Kanada: Rätselraten um die politischen Motive der Magna-Konzernchefin

Die Kanadierin Belinda Stronach, Chefin des Autozulieferkonzerns Magna International, steigt in die Politik ein: Sie bewirbt sich um die Führung der neuen Konservativen Partei Kanadas. Das wurde aus ihrem Umkreis nun bestätigt, nachdem die 37-jährige Tochter des gebürtigen Steirers Frank Stronach bereits letzte Woche ihr Interesse an diesem Amt enthüllt hatte. Der 71 Jahre alte Stronach, der das Engagement seiner Tochter unterstützt, will nun wieder den Chefsessel seines Magna- Konzerns übernehmen.

Beobachter in Kanada glauben, dass er das nur vorübergehend wird tun müssen. Denn Belinda ist ein politisch völlig unbeschriebenes Blatt. Niemand in Kanada weiß, wofür die Frau, die als offizielle Oppositionsführerin agieren möchte, eigentlich steht.

Die telegene Konzernchefin steht seit 2001 an der Spitze eines Unternehmens, das einen Umsatz von 13 Mrd. US-Dollar erwirtschaftet. Forbes kürte sie 2002 zur zweitmächtigsten Managerin außerhalb der USA. Die Kommentatoren rätseln, was das Motiv der Konzernchefin sein könnte, sich in ein von den Medien unerbittlich beleuchtetes Leben zu stürzen. Im November hatte die allein erziehende Mutter zweier Kinder, deren zweite Ehe kürzlich geschieden wurde, eine solche Option noch von sich gewiesen.

Stronach wird dem bislang glanzlosen Rennen um den Parteivorsitz der Konservativen zweifellos Glamour verleihen. Aber ihre Chancen sind trotz ihrer finanziellen Ressourcen begrenzt. Sie wird zwar von Tory-Größen wie dem Expremier der Provinz Ontario, Mike Harris, der im Aufsichtsrat von Magna International sitzt, unterstützt. Aber der aussichtsreichste Kandidat dürfte Stephen Harper sein, Exvorsitzender der rechtskonservativen Kanadischen Allianz, der das größte politische Profil von allen Kandidaten hat. Kanada hat bisher keine Opposition, die den regierenden Liberalen gefährlich werden könnte. Stronach, die mit Expräsident Bill Clinton befreundet ist, hat für ihre Kampagne nicht viel Zeit: Die Entscheidung über den Parteivorsitz fällt am 21. März. (DER STANDARD, Printausgabe, 16.1.2004)

Bernadette Calonego aus Vancouver
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    Telegene Neueinsteigerin ins politische Geschäft: Belinda Stronach.

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