Nachlese: Krise in der Ehe von HVB und BA-CA

27. Jänner 2004, 10:46
31 Postings

Die HypoVereinsbank erhöht den Druck auf ihre Tochter Bank Austria - Dazu kommen noch Spannungen innerhalb der Bank in Wien

Wien - Um die Beziehung zwischen Bank Austria Creditanstalt (BA-CA) und ihrer deutschen Mutter, der Münchner HypoVereinsbank (HVB), ist es derzeit schlecht bestellt: Die Deutschen finden offensichtlich immer weniger Gefallen am selbstbewussten Auftreten ihrer Wiener Bank. Ob das Abblasen des Verkaufs der Wiener Schoellerbank, die engere Anbindung der BA-CA-Fondsgesellschaft Captial Invest an die Deutschen oder das Ostgeschäft, für das die BA-CA im Konzern zuständig ist: Die Münchner nehmen die BA-CA an die Kandare.

Was die HVB in ihrem Kerngeschäft besonders stört, sind Probleme im Osten. Ein HVB-Banker beschreibt diese so: "Deutsche Firmenkunden, die im Osten Geschäfte machen wollen, werden nach Wien geschickt und gehen auf dem Weg verloren. Das müssen wir ändern."

Schoellerbank-Deal abgedreht

Reibungsverluste wie diese und latente Unstimmigkeiten zwischen Wien und München haben sich nun in der Causa Schoellerbank erstmals öffentlich manifestiert. Nachdem HVB-Chef Dieter Rampl schon in seinem "Neujahrsbrief" an alle Mitarbeiter eine konsequentere und engere Zusammenarbeit zwischen Österreich und Deutschland eingefordert hatte, hat er seiner Österreich-Schelte nun Taten folgen lassen. Der HVB-Vorstand, in dem auch BA-CA-Aufsichtsratspräsident Gerhard Randa - ehemals selbst BA-CA-Chef - sitzt, hat den vom Bank-Austria-Vorstand bereits fixfertig verhandelten Verkauf der Tochter Schoellerbank an die Luxemburger Kredietbank abgedreht.

Rampls Begründung lässt an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig: "Die Österreicher sind da vorgeprescht. Konzernentscheidungen werden in München getroffen und nicht in Wien." Betriebswirtschaftlich erklären die Deutschen die Absage des Schoellerbank-Deals, der mehr als 300 Millionen Euro in die Kassen gespült hätte, mit der Verbesserung der Ergebnisse der HVB. Sie sei nach dem Riesenverlust von 858 Millionen Euro im Jahr 2002 und einem schwierigen Jahr 2003 jetzt nicht mehr zu "Notverkäufen" gezwungen.

Noch engere Umarmung

Aus diesem Grund hat die HVB nun auch die Partnersuche für ihre Kapitalanlagegesellschaft (KAG) Activest gestoppt. Stattdessen wollen die Deutschen die Österreicher auch in dieser Sparte enger umarmen und die Capital Invest fester an die deutschen Fondstöchter anbinden. Ein HVB-Banker: "Wir brauchen in Wien keinen Dax-Fondsmanager, wenn wir ihn doch in München haben. Jeder soll das machen, was er am besten kann."

Eine Idee, die so neu nicht ist: Schon vor zwei Jahren hat die Capital Invest im "Projekt Diamant" Kooperationen mit den HVB-KAG geprüft. Capital-Invest-Vorstandschef Helmut Sobotka zu den wieder aufgenommenen Kooperationsplänen: "Eine Arbeitsteilung ist möglich."

Spannungen gibt es freilich auch innerhalb der BA-CA. Aufsichtsratschef Randa ist mit den Ergebnissen der Bank unzufrieden, drängt immer vehementer auf höhere Erträge. Und: Der Betriebsrat soll weitere Einsparungen bei Personalkosten und beim Mitarbeiterabbau auf 10.000 (bis 2005) mittragen. (Renate Graber, DER STANDARD Printausgabe, 16.1.2004)

  • HVB-Chef Dieter Rampl nimmt die BA-CA an die kurze Leine
    montage: derstandard.at

    HVB-Chef Dieter Rampl nimmt die BA-CA an die kurze Leine

Share if you care.