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28. Jänner 2004, 18:48
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Benita Ferrero- Waldner wird für die ÖVP in den Kampf um die Hofburg ziehen - von Lisa Nimmervoll

Selten war weniger Spannung. Donnerstagmittag passierte das lange Erwartete: Außenministerin Benita Ferrero- Waldner wird für die ÖVP in den Kampf um die Hofburg ziehen. Wer denn sonst? Alles andere wäre doch unter die Kategorie absurdes Theater gefallen. Da sich die Volkspartei aber ungern ihre Dramaturgie von außen stören lässt, wurde zuletzt ein bisschen auf Suspense gemacht und bis zum internen Termin der Bekanntgabe herumgeheimnisst. Das Gerücht, wonach die ÖVP ihre Kandidatin nicht formal nominieren, sondern nur über den indirekten Weg einer Solidarisierung mit dem bereits vorgepreschten Personenkomitee "für Benita" unterstützen könnte, kam da durchaus zupass.

Aber Schüssel war und ist Ferrero-Waldners Mentor, sie ist seine Kandidatin. Er hat sie für die Politik "erfunden". Hätte er sich jetzt nicht voll hinter sie gestellt, wäre das nicht nur eine Brüskierung und Vorabbeschädigung der ÖVP-Kandidatin, sondern auch eine Schwächung des Kanzlers selbst gewesen. Die SPÖ hätte sich über billiges Wahlkampffutter aus der VP-Zentrale freuen können. Motto: Wenn nicht einmal die eigene Partei sie will, warum soll Österreich sie dann wählen?

Weil sie "für uns die beste Kandidatin ist", sagt die Volkspartei jetzt. Und weiß doch genau, dass die Präsidentenwahl - die die ÖVP natürlich auch gerne gewinnen würde - für die SPÖ eine viel größere Bedeutung hat. Immerhin geht es für diese nach dem Verlust aller großen Staatsfunktionen seit Schwarz- Blau um die Wiedererringung eines hohen Amtes. Des höchsten vielleicht, aber sicher nicht wichtigsten, denkt sich die ÖVP. Denn sie hat etwas, das realpolitisch viel wertvoller und mächtiger ist: den Kanzler. Der residiert auf jener Seite des Ballhausplatzes, wo die wirklich wichtigen Dinge entschieden werden. (DER STANDARD, Printausgabe, 16.1.2004)

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