Plädoyer für die Schlachtrösser

16. Jänner 2004, 17:01
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Morak über Josefstadt, Diagonale, Absetzbarkeit und Bundestheater

Wien - Kunststaatssekretär Franz Morak (VP) hält im Gespräch mit dem STANDARD die Entscheidung, die der Aufsichtsrat des Theaters in der Josefstadt getroffen hat, für richtig: Helmuth Lohner, interimistisch Direktor, der auch wieder spielen wird, und Otto Schenk seien "Schlachtrösser, die in solchen Situationen bewährt sind". Über "vergossene Milch" (erheblicher Besucherschwund in den drei Monaten der Ära Gratzer samt prognostiziertem Einnahmenverlust von 1,5 Millionen Euro) zu klagen sei nicht sinnvoll.

SP-Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny sei sein Partner in der Frage, wie es mit der Josefstadt weitergehen soll, und daher werde es von ihm auch "keine Schuldzuweisungen" geben. Ihn, Morak, interessiere einzig die Frage: "Wie gehen wir mit der Zukunft um? Wir müssen uns daher umgehend mit allen Beteiligten zusammensetzen." Vom "Philosophieren" über mögliche Lösungen hält er nichts.

Zugeknöpft gibt sich der Staatssekretär bezüglich einer Förderung für die Diagonale 2004, die als Gegenveranstaltung zur "offiziellen" Filmschau ins Leben gerufen wurde, aber die einzige sein wird, weil die von Morak bestellte Intendanz kürzlich zurücktrat: "Ich habe mit den Vertretern der Filmschaffenden ausgemacht, dass wir 2005 gemeinsam organisieren. Im Rahmen dieser Gespräche werden wir aber auch über 2004 sprechen. Wir werden eine Lösung finden, mit der alle leben können."

Daher will er auch nicht die Frage beantworten, ob die Intendanz neu ausgeschrieben wird. Und bezüglich der Kosten, die von der gescheiterten Intendanz im vergangenen Jahr verursacht wurden, sagt er: "Am Anfang sind sie natürlich am höchsten. Aber die Höhe weiß ich noch nicht."

Einmal etwas Positives

DER STANDARD könne "doch auch einmal etwas Positives schreiben, z. B. dass sich die Mittel für die Filmförderung verdoppelt haben", sagt Morak: "Das Budget für das österreichische Filminstitut ist seit 2002 mit 9,6 Millionen Euro so hoch wie nie zuvor dotiert. Zusätzlich gibt es jetzt auch einen Fernsehfilmförderungsfonds, der Koproduktionen freier Produzenten mitfinanziert. Und auch die kleine Filmförderung wurde um 20 Prozent angehoben."

Gescheitert ist Morak bisher aber mit seiner Ankündigung, Kunstankäufe und -sponsoring absetzbar machen zu wollen: "Früher hat der Fürst die Kunst alimentiert, heute hat der Staat diese Aufgabe. Das soll so bleiben, ich will die Absetzbarkeit zusätzlich. Das Finanzministerium hat bisher immer argumentiert: Wir gehen groß in die Kunstförderung hinein - und sind restriktiver in den Steuererleichterungen. Der Kampf ist daher noch nicht gewonnen, ich werde ihn aber weiterführen."

Nicht abrücken will Morak von seinem Entschluss, die Leitung der Bundestheater- Servicegesellschaft Art for Art neu auszuschreiben. Wie berichtet, läuft der Vertrag von Geschäftsführer Josef Kirchberger (SP) Ende August aus. Der Schritt sei, sagt Morak, nicht parteipolitisch motiviert, sondern aus juristischen Gründen notwendig. Denn die Geschäftsgrundlage werde sich verändern: Die Holding, derzeit Alleineigentümer, soll 49 Prozent der Anteile den drei Bundestheatern übertragen. Ziel ist eine stärkere Bindung der Häuser an die Werkstätten nach Ende des Kontrahierungszwangs. Die Aufgabe von Art for Art bleibt aber die gleiche. (DER STANDARD, Printausgabe, 16.1.2004)

Von Thomas Trenkler
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