Erfolg mit g'schmackigem Käse

27. Jänner 2004, 09:23
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Österreich versucht in Berlin seinem Selbstbild als Feinkostladen gerecht zu werden - Die Agrarexporte steigen kontinuierlich - Mit Infografik

Wer "richtig Schlemmen" will, der deckt sich im Untergeschoß eines der Karstadt- Kaufhäuser ein – zehn davon gibt es in Berlin, 59 im übrigen Deutschland. Überall hängen Fähnchen, die österreichische Waren anpreisen. Wenn auch oft in falscher Schreibung ("Zipferl statt Zipfer" und "Horitschoh" statt "Horitschon") und aktionsbedingt mit Preisabschlag: Die Flasche Bier aus Zipf um 99 Cent ist billiger als die sonst üblichen 1,19 Euro, aber eben doch deutlich besser positioniert als das Oettinger um 39 Cent.

"Fader Käse"

Was die österreichische Lebensmittelindustrie in Deutschland zu vermarkten trachtet, ist ein bisschen teurer, vor allem aber ein bisschen anders als der Mainstream: "Weltweit geht der Trend zu geschmacksarmen – man kann ruhig sagen: faden – Käsen. Wir aber haben einen g'schmackigen Käse – und der passt eben nach Deutschland, wo viel Bier getrunken wird", sagte Stephan Mikinovic von der Agrarmarkt Austria (AMA).

Es ist der Käse, der bei Karstadt (und bei der heute beginnenden Grünen Woche) häppchenweise Appetit auf mehr machen soll, der die österreichische Agrarhandelsbilanz mit Deutschland auszugleichen beginnt: 119 Mio. Euro zahlen die Deutschen jährlich für österreichischen Käse – mit Zuwachsraten von sechs Prozent.

Importe überrundet

Mikinovic extrapoliert die Trends und rechnet vor: Wenn das so weitergeht, dann steigen die österreichischen Exporte nach Deutschland bald so weit an, dass die Importe wertmäßig überrundet sind. Seit dem EU-Beitritt haben sich die Importe von Agrarprodukten aus Deutschland nämlich zunächst stark nach oben entwickelt, weil etwa die Speiseeisproduktion in Österreich geschlossen wurde und Eis nur noch aus Deutschland importiert wird.

Aber die Agrarmärkte wandeln sich – und derzeit zu Österreichs Gunsten. Dieser Wandel im agrarischen Bereich ist auch auf der Grünen Woche, der größten einschlägigen Verbrauchermesse, zu spüren. Für EU-Agrarkommissar Franz Fischler ist es die letzte Grüne Woche in seiner Funktion – er ist nach eigenem Bekunden "mit einer Träne im Knopfloch" angereist und hat seine Eröffnungsrede auch als Bilanz seiner Amtszeit angelegt.

Kosten sinken

Tendenziell sind die Kosten der EU-Agrarpolitik gesunken – nur 0,93 Prozent der europäischen Wirtschaftsleistung wird für die Agrarpolitik ausgegeben. Eines aber werde nicht gehen, sagte Fischler quasi als Vermächtnis bei seiner Eröffnungsrede: Dass man mehr Europa für weniger Geld bekomme: "Das ist ein Kunststück, das nicht einmal Zauberer zustande bringen – geschweige denn Politiker." (DER STANDARD Printausgabe, 16.1.2004)

Conrad Seidl aus Berlin
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  • Agrar-Außenhandel mit Deutschland
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    Agrar-Außenhandel mit Deutschland

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