"Es galt keine Zeit zu verlieren"

16. Jänner 2004, 16:12
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Österreichs Entwicklungshilfeprojekte werden nun alle in einer Agentur gebündelt

Wien – "Die Austrian Development Agency trägt den neuen Anforderungen der Entwicklungszusammenarbeit Rechnung, das war für Österreich absolut notwendig", erklärte Konstantin Huber, der Afrikaexperte für Entwicklungszusammenarbeit im Außenministerium dem Standard.

Praktiker Huber – er war bis Herbst 2003 Koordinator der österreichischen Entwicklungszusammenarbeit in Uganda, lobt die Flexibilität der neu gegründeten Austrian Development Agency (ADA), die als Ges.mbH seit 1. Jänner alle Projekte der Entwicklungs- und Ostzusammenarbeit erarbeitet und umsetzt. Die ADA steht im Eigentum der Republik.

"Der wesentliche Vorteil liegt nun darin, dass sich die ADA auf die Projekttätigkeit konzentrieren kann, Projekte zu vergeben und den Projektzyklus zu verfolgen", meint Huber. Trotzdem solle die ADA kein reines Vollzugsorgan sein. "Die entwicklungspolitischen Vorgaben sollten vom Außenministerium kommen und in dessen klarer Verantwortlichkeit liegen", betont Huber, der lange Jahre in der African Development Bank tätig war.

Kritik, dass die Einsetzung der ADA zu schnell durchgepeitscht worden sei, relativiert Huber: "Sicher ging einiges ziemlich schnell. Aber aus der Sicht der Partnerländer würde ich sagen, da galt es keine Zeit zu verlieren. Es war schon gut, dass man sehr schnell vorging und dass die neue Struktur schnell operativ ist."

Für die Empfängerländer bestehe nun größere Sicherheit, führt Huber aus: "Es ist heute eines der größten Probleme für Länder die Entwicklungshilfe beziehen, dass sie im Planungsstadium nicht wissen, mit wie viel Geld sie rechnen können. Das war immer eine besondere Schwierigkeit mit Österreich. Man konnte Mittel nie zusagen, bevor nicht eine offizielle Genehmigung da war. Daher kam es zu großen Differenzen zwischen dem, was geplant worden war, und dem, was letztendlich ausbezahlt wurde."

Mit der ADA sei eine wesentlich größere Verlässlichkeit gegeben, glaubt der Experte: "Es wird nicht so sein, dass das eingeplante Geld, das in einem Finanzjahr nicht ausgegeben wird, verloren ist. Die Mittel können in das nächste Finanzjahr mitgenommen werden, was bisher nicht möglich war". Die ADA sei besser in der Lage, die Kosten den Erfordernissen anzupassen und sie damit insgesamt geringer zu halten.

Für Huber wäre es wünschenswert, die österreichischen Hilfsstrukturen in den Partnerländern besser auszubauen, ihnen mehr Kompetenzen zu geben und sie stärker mit den Botschaften zusammenzuführen. Das erleichtere auch langfristige Planungen.

Grundsätzlich sieht Huber tief greifende Veränderungen in der Entwicklungspolitik: "Wir haben früher die Entwicklung von Strukturen in den Partnerländern vernachlässigt. Wir haben gesagt, die Staaten sind schwach und korrupt, daher gehen wir gleich direkt zu den Armen." Modernisierungsprozesse seien aber ohne funktionierende Regierungen in den Empfängerländern undurchführbar.

Deshalb müsse man verstärkt Regierungsstrukturen durch direkte Budgethilfe aufbauen, erklärt Huber. Dann wäre auch die Schaffung von Parallelstrukturen durch die Geberländer unnötig. Allerdings müsse die Verwendung der Budgethilfe transparent sein, schränkt der Experte ein. (DER STANDARD, Printausgabe, 16.1.2004)

von Gerhard Plott
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