Hochschülerschaft lehnt Gesprächsangebot ab

29. Jänner 2004, 19:23
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Rektor Winckler wollte nicht verhandeln - Besetzung friedlich beendet

Wien - Die seit Donnerstag andauernde Besetzung von Räumlichkeiten rund um das Rektorat der Universität Wien ist nach einer Abschlusskundgebung in den Abendstunden friedlich zu Ende gegangen.

Studenten lehnen Gesprächsangebot Wincklers ab

Die Studenten haben sich am Freitag abend ausdrücklich dagegen ausgesprochen, ein Angebot von Rektor Georg Winckler zu Gesprächen am Montag anzunehmen, wie der stellvertretende Vorsitzende der Österreichischen Hochschülerschaft (ÖH), Ralph Schallmeiner, am späten Abend gegenüber der APA mitteilte. Die Studenten begründeten ihre Ablehnung damit, dass Winckler nur "Gespräche" und keine Verhandlungen angeboten habe, so Schallmeiner.

Der Rektor sei ferner nicht bereit, auf die Grundforderungen der Protestierenden einzugehen. Die Studenten hätten deshalb an den Rektor das Gegenangebot gemacht, nach der Akzeptierung der Grundforderungen der ÖH und der Protestierenden "in einen Diskussions- und Evaluierungsprozess einzusteigen", sagte Schallmeiner.

HörerInnenversammlung

Die Aktion am Donnerstag gegen 15.00 mit einer so genannten HörerInnenversammlung begonnen. Dabei waren mehrere Hundert Studierende durch das Hauptgebäude der Universität gezogen und hatten anschließend "aus einer spontanen Idee" - so die Studierendenvertreter - erst Teile des Rektorats und den Senatssitzungssaal gestürmt. Die ÖH betonte zwar, die Besetzung nicht organisiert zu haben, erklärte sich aber mit den Studenten solidarisch und fungierte teils als Sprachrohr gegenüber Medienvertretern.

Aussage gegen Aussage steht bezüglich des Eindringens der Studierenden. Seitens des Rektorats war von "vermummten Personen mit Schlagstöcken" die Rede, welche die Türen aufbrachen, von der ÖH wird dies energisch bestritten. Tatsache ist, dass es zu Sachbeschädigungen kam, mehrere Türen wurden in Mitleidenschaft gezogen. Die Hochschülerschaft wird nach eigenen Angaben für den Schaden aufkommen.

Anlass: Sitzung des Senats über Organisationsplan

Direkter Anlass für die Aktion war eine Sitzung des Senats im Sitzungssaal, bei welcher der von Studentenvertretern heftig umstrittene Organisationsplan diskutiert werden sollte. Der Senat zog sich im Zuge des Eindringens der Studenten ein einen anderen Teil des Rektorats zurück und setzte die Beratungen fort. Nach der stundenlangen Sitzung wurde der Organisationsplan mit 14 gegen vier Stimmen angenommen. Die Senatsmitglieder verließen am Donnerstag gegen 23.00 unter Polizeischutz das Gebäude.

Rund 80 Studenten übernachteten auf der Uni

Nach einem anfänglichen Großaufgebot zog sich die Polizei im Laufe der Nacht weitgehend zurück, rund 80 Studenten übernachteten unbehelligt in den besetzten Räumen. Ein selbst auferlegtes Alkoholverbot wurde dabei nach Angaben von Studenten eingehalten. Zu weiteren Sachbeschädigungen sei es nicht gekommen. Freitag morgen gaben Studierendenvertreter dann bei einer Pressekonferenz bekannt, dass das Rektorat sofort verlassen werde, den Senatssitzungssaal wolle man noch besetzt halten. Mittlerweile hieß es aus ÖH-Kreisen, dass man die Sache wahrscheinlich gegen Abend beenden wolle.

Rücknahme des Organisationsplans gefordert

Der Zorn der Studenten richtete sich vor allem gegen den neuen Organisationsplan. In einer Resolution forderte die ÖH die Rücknahme des Papiers bis 1. März. Der Plan sei von Rektor Winckler völlig autoritär erstellt worden, er zerschlage bewährte Strukturen und beende die studentische Mitbestimmung.

Untersützung bekundeten neben der die Bundes-ÖH dominierenden linken Gruppierungen Grüne und Alternative StudentInnen (GRAS), Verband Sozialistischer StudentInnen (VSStÖ) und Kommunistischer StudentInnenverband (KSV) auch die Grünen sowie die Gewerkschaft der Privatangestellten (GPA). (APA/red)

  • Der besetzte Senatssitzungssaal
    foto: standard/cremer

    Der besetzte Senatssitzungssaal

  • Die Resolution der HörerInnenversammlung als pdf-Datei.

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