Milosevic erneut schwer belastet

16. Jänner 2004, 16:59
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Ehemalige Bank-Inhaberin Milanovic vor Belgrader Gericht: Ex-Präsident soll Höhe von Sparzinsen mitbestimmt haben

Belgrad - Die Inhaberin einer der ersten serbischen Privatbanken in den neunziger Jahren des 20. Jahrhunderts, Dafina Milanovic, hat am Donnerstag vor einem Belgrader Gericht gegen den ehemaligen serbischen und jugoslawischen Präsidenten Slobodan Milosevic schwere Anschuldigungen erhoben. Er soll zusammen mit zwei weiteren Finanzexperten die Höhe der Zinsen bestimmt haben, die die "Dafimentbanka" ihren Sparern versprochen, aber größtenteils nicht an sie ausbezahlt hatte.

Hohe Zinsen lockten Sparer an

Die Bank war zwischen Oktober 1991 und ihrem Zusammenbruch im Mai 1993 für ihre außerordentlich hohen Zinsen bekannt, die viele Sparer anlockten. Dank der Zinshöhe hatte die Bank in kurzer Zeit rund 163.000 Sparverträge in der Gesamthöhe von rund 450 Millionen DM (230 Mill. Euro) abgeschlossen. Wofür der Großteil der Finanzmittel - etwa 315 Millionen DM - verwendet wurde, ist bis dato nicht bekannt.

Finanzierung der Kriege

Es wird angenommen, dass das Regime Milosevic damit unter anderem auch die Kriege in Kroatien und Bosnien finanzierte. Etliche Funktionäre waren ebenfalls in den Genuss hoher Zinsen gekommen, während die Mehrheit der Sparer ohne ihr Geld geblieben war. Die Auszahlung von Spareinlagen hatte erst im Vorjahr der Staat übernommen.

Veruntreuung und Amtsmissbrauch gestanden

Milanovic gestand bei dem Prozess, der am Donnerstag vor dem Belgrader Kreisgericht begann, die Veruntreuung von 19,3 Millionen DM sowie Amtsmissbrauch. An den Entscheidungen über die Bankzinsen waren nach Angaben der Angeklagten neben Milosevic auch noch der ehemalige serbische Notenbankpräsident Borislav Atanackovic und der Bankexperte Nikola Stanic beteiligt.

Die ehemalige Bankinhaberin, die bei einem mysteriösen Verkehrsunfall in Ungarn in den neunziger Jahren ihren Mann sowie eine Tochter und einen Sohn verlor, war 1999 mit Genehmigung des Regimes Milosevic ins Ausland ausgereist. In Belgrad wurden im August 2001 Ermittlungen gegen Milanovic eingeleitet. Sie wurde eineinhalb Jahre später in Deutschland festgenommen und im April des Vorjahres an Belgrad überstellt. Die an Krebs leidende Angeklagte wurde am Donnerstag per Gerichtsbeschluss aus der Haft entlassen. (APA)

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