Ritter von Mannlicher starb vor 100 Jahren

25. Jänner 2004, 18:53
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Die Leidenschaft des heimischen Erfinders galt der Entwicklung neuer Waffen

Wien/Steyr - Er war einer der wenigen heimischen Erfinder, die ihr Genie auch in einen geschäftlichen Erfolg umsetzen konnten - Ferdinand Ritter von Mannlicher. Seine Konstruktionen machten aus der OEWG (Österreichische Waffengesellschaft) in Oberösterreich eine der größten Waffenschmieden ihrer Zeit, die später sogar den Namen Steyr Mannlicher trug. Vor 100 Jahren, am 20. Jänner 1904, starb der geniale Waffenkonstrukteur in Wien - zehn Jahre bevor, die k.u.k. Armee mit seinen Gewehren in den Ersten Weltkrieg zog.

Mannlicher wurde am 30. Jänner 1848 im böhmischen Most als Sohn eines Oberfeldkriegskommissärs geboren. Im Alter von neun Jahren ging Ferdinand nach Wien, um hier an der technischen Hochschule in Wien Maschinenbau zu studieren. Danach arbeitete er als Konstrukteur bei österreichischen Eisenbahngesellschaften.

Entwicklung neuer Waffen

Doch diese Beschäftigung war dem Ingenieur offenbar zu langweilig. Seine Leidenschaft galt der Entwicklung neuer Waffen, wofür er auch das entsprechende Talent mitbrachte. Mitentscheidend für seine weitere Karriere dürfte das Treffen mit Josef Werndl gewesen sein, der ihn 1875 dazu ermutigte, ein Magazin-Gewehr zu entwickeln.

Beim Besuch der Weltausstellung in Philadelphia ein Jahr später reifte in ihm der Entschluss, diese Anregung auch umzusetzen. Ab 1880 entstanden verschiedene Mehrladegewehre mit Röhrenmagazin und später mit einem solchen im Mittelschaft. Das Angebot, in die OEWG überzuwechseln, lehnte Mannlicher 1878 zunächst ab und trat erst 1886 in Werndls Firma ein.

Repetiergewehr

Von den insgesamt 150 von ihm entwickelten Modellen sticht eines ganz besonders hervor: Das 1885 entstandene und für seine Zeit revolutionäre Repetiergewehr, das bereits im Folgejahr in Steyr in Serienproduktion ging. Hauptkonstruktionspunkte war das auch von anderen Staaten übernommene Mannlicher-Magazin, das mit einer Streifenladung beschickt werden konnte. Nach dem Verfeuern der Patronen fiel der Blechrahmen selbst heraus. Zudem erlaubte der so genannter Geradezugverschluss eine höhere Feuergeschwindigkeit, da der Kammerstängel (Griff des Verschlusses, Anm.) für den Repetiervorgang lediglich nach hinten und vorne bewegt werden musste.

Nach Annahme durch die k.u.k. Armee wurde das Gewehr noch einigen Änderungen unterworfen. So wurde u.a. das Kaliber geändert. Neben den Hauptmodellen M 1885, M 1886, M 1890 und M 1895 gibt es zahlreiche Übergangs- und Umänderungsmodelle. Zudem verlangten die verschiedenen Waffengattungen unterschiedliche Ausführungen. All diese technischen Leckerbissen sind dauernd im Heeresgeschichtlichen Museum im Wiener Arsenal ausgestellt, wie der zuständige Experte, Mag. Christian Ortner, versicherte.

Jagdgewehr

Noch länger als diese in einer Millionen-Stückzahl gefertigten Militärkarabiner, die bis 1938 im österreichischen Heer dienten, wurde das gemeinsam mit Otto Schönauer entwickelte Jagdgewehr hergestellt: Von 1903 bis 1972. Und noch heute genießt diese Waffe (Mannlicher-Schönauer) unter Weidmännern auf der ganzen Welt einen legendären Ruf. Für das von ihm bereits 1885 konstruierte leichte Maschinengewehr war das konservative Militär jedoch ebenso wenig zu überzeugen wie von verschiedenen halbautomatischen Gewehren.

Den Adelstitel bekam der Ingenieur bereits 1892. Fortan durfte er sich Ferdinand Ritter von Mannlicher nennen. International wurde das Wirken des Österreichers ebenfalls gewürdigt: Als er 1900 auf der Pariser Weltausstellung eine Kollektion seiner Erfindungen präsentierte, wurde ihm der erste Preis zuerkannt. Nur wenige Tage vor seinem 56. Geburtstag starb Mannlicher am 20. Jänner 1904 in Wien. (APA)

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