Wien: Prozess um Vergewaltigung im Jugendgefängnis

15. Jänner 2004, 19:34
12 Postings

Zwei Jahre Haft für Jugendliche, die 14-Jährigen in der Zelle missbrauchten

Wien - Jene drei Burschen, die am 7. August 2003 im Jugendtrakt des Wiener Landesgerichtlichen Gefangenenhauses einen 14-jährigen Mithäftling vergewaltigt hatten, wurden von einem Schöffensenat rechtskräftig verurteilt.

Der knapp 17 Jahre alte Haupttäter erhielt zwei Jahre unbedingt, wobei bei der Strafbemessung auch ein kleiner Ladendiebstahl zum Tragen kam. Seine zwei jeweils 15-jährigen Komplizen, die zunächst zugesehen und sich dann auf sein Betreiben hin aktiv am sexuellen Missbrauch beteiligt hatten, fassten 17 bzw. 18 Monate unbedingt aus.

Überfülltes Jugendgefängnis

Richter Norbert Gerstberger verwies in der Urteilsbegründung auf die schlechten Haftbedingungen, die das Sexualverbrechen zumindest begünstigt hätten: "Unsere Justizanstalt ist derart überfüllt, dass es den Beamten nicht möglich ist, jeden Häftling zu beobachten, um solche Vorfälle zu verhindern."

Ladendiebstahl

Der 14-Jährige war beim Stehlen in einem Kaufhaus in der Mariahilfer Straße erwischt worden und wegen des Verdachts, er verschaffe sich mit Ladendiebstählen eine fortlaufende Einnahmequelle, in der U-Haft gelandet. Dort wurde er nach kurzer Zeit in eine andere Zelle verlegt, nachdem ihn ein Jugendlicher "angetapserlt" hatte.

Der rumänische Bub kam in eine Vier-Mann-Zelle, in der bereits drei ältere Burschen aus seinem Heimatland saßen. Nur wenige Stunden später wurde er von allen drei Mithäftlingen vergewaltigt: Der Älteste fiel im Waschbereich über ihn her und forderte den 14-Jährigen auf, sich auszuziehen. Als sich der Bub weigerte, kassierte er Schläge und Tritte. Er wurde mit dem Kopf gegen die Wand gestoßen.

Vorfall wurde erst Tage später bekannt

Der Vorfall wurde erst Tage später bekannt. Ein unbeteiligter Gefangener, der davon erfahren hatte, informierte das Wachpersonal. Der 14-Jährige wurde mit schweren Verletzungen im Analbereich ins AKH überstellt. Mittlerweile ist er nach Rumänien zurückgekehrt, wo ihm die Menschenrechtsorganisation Amnesty International eine Therapie finanziert. (APA)

Share if you care.