Marsboden unter den Rädern

20. Jänner 2004, 12:18
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Der Nasa-Roboter rollt endlich über die Marsoberfläche - in den kommenden 78 Tagen soll "Spirit" nach Spuren von Leben suchen

Pasadena - Er rollt. Nasa-Roboter "Spirit" hat Donnerstagmorgen um 9.30 Uhr mitteleuropäischer Zeit seine Landeplattform verlassen und fuhr über den Marsboden. Nach wenigen Metern stoppte er planmäßig, berichteten die Wissenschafter im Kontrollzentrum in Pasadena stolz.

Seine erste Aufgabe sei es, mit seinen Panoramakameras die Sonne zu lokalisieren, um damit die Position der Erde zu berechnen und seine Antennen entsprechend auszurichten. Dann soll er zwei Tage in seiner jetzigen Position verharren und die chemischen und mineralogischen Verhältnisse vor Ort erkunden. Dann werde seine Reise fortgesetzt.

Erste Bilder

"Spirit" soll den Gusev-Krater, in dem er gelandet ist, nach Spuren früherer Wasservorkommen und Mikroorganismen durchsuchen. Die ersten zur Erde gefunkten Bilder zeigen, dass der Mars-Rover von Hunderten kleiner Felsen umgeben ist. Nasa-Forscher wollen in ihnen Zeichen einer feuchten Vergangenheit erkennen. Die zerbrochenen Steine ähnelten Formationen, die auf der Erde durch das Gefrieren und Auftauen von Wasser entstanden seien.

Im Gusev-Krater sei eine größere Zahl solcher Steine zu erkennen als an allen Landeplätzen früherer Mars-Sonden zusammen. Für den Zustand der Steine gibt es neben Wasser allerdings auch andere Erklärungen: etwa den Aufprall von Kometen und anderen Gesteinsgeschoßen aus dem All.

Zuversicht

Dennoch sind die Wissenschafter zuversichtlich, auf Spuren von Wasser und damit auf eine Grundlage für organisches Leben zu stoßen - die Auswertung der ersten Aufnahmen des "Miniatur-Thermalemissions-Spektrometers" des Roboters lassen hoffen. Das Instrument, das die Zusammensetzung von Gesteinen prüfen soll, lieferte nämlich Hinweise auf Karbonate und Hydrate. Beide entstehen vor allem unter einem Langzeiteinfluss von Wasser.

Für Freitag ist auch eine Kooperation mit dem europäischen "Mars Express" - der sein Landegerät "Beagle 2" verloren hat - geplant. Dieser soll aus einer Höhe von 300 Kilometern über der Oberfläche genau zur selben Zeit eine Infrarotaufnahme genau desselben Abschnitts vom Marshimmel aufnehmen wie "Spirit" vom Boden aus. Durch die unterschiedlichen Blickwinkel hoffen die Forscher, neue Erkenntnisse über die Marsatmosphäre zu gewinnen. (fei, DER STANDARD, Print, 16.01.2004)

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    Der Mars-Roboter "Spirit" fährt endlich auf dem Mars. Zur Erde geschickte Fotos zeigten die beiden Hinterräder auf dem Marsboden, dahinter das Landegerät. Reifenspuren führten vom Landegerät weg.

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