"Primaries" und "Caucuses"

13. April 2004, 20:01
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Die demokratischen Kandidaten müssen durch die Tretmühle der Vorwahlen

Washington/Wien - Um sich die Kandidatur für die US-Präsidentenwahlen zu erkämpfen, müssen die Bewerber traditionell durch die Tretmühle der Vorwahlen - diesmal allerdings nur jene der Demokraten, da sich Amtsinhaber George W. Bush keinem parteiinternen Gegenkandidaten stellen muss. Bei den "primaries" oder "caucuses" in den einzelnen US-Staaten, die am 19. Jänner in Iowa beginnen und am 8. Juni in New Jersey abgeschlossen werden, sammeln die Kandidaten Delegiertenstimmen. Diese geben dann bei den jeweiligen Nominierungsparteitagen im Sommer den Ausschlag.

Ein "caucus" ist eine Parteiversammlung, bei der prinzipiell nur Parteimitglieder zur Bestimmung der Wahlkonvents-Delegierten zugelassen sind. Bei den "primaries" gibt es hingegen eine geheime Abstimmung, und in vielen Fällen (offene Vorwahlen) können auch Nicht-Parteimitglieder mitstimmen. Da es aber in den meisten US-Staaten gar keine feste Parteimitgliedschaft gibt bzw. diese schnell geändert werden kann, kann auch an den caucuses praktisch jeder Interessierte teilnehmen. Weil sie aber von den jeweiligen Parteien organisiert werden, ist die Hemmschwelle für die Teilnahme hier höher als bei den Vorwahlen, sodass in der Regel doch immer nur ein kleiner Kreis politisch Aktiver teilnimmt.

Der erste "caucus" findet traditionsgemäß in Iowa statt - diesmal am 19. Jänner. Größere Bedeutung kommt jedoch der ersten "primary" in New Hampshire zu, die heuer am 27. Februar abgehalten wird. Danach sollte sich das Feld der gegenwärtig acht demokratischen Kandidaten lichten. Obwohl in New Hampshire nur ein verschwindend kleiner Teil der Wahlberechtigten lebt, werden hier die Trends gesetzt. Zurückliegende Kandidaten können mit einem guten Ergebnis die Basis für eine Aufholjagd legen - wie es Jimmy Carter 1976 gelang -, Verlierer müssen ihre Chancen hingegen meist abschreiben (mit Ausnahme von Bill Clinton, der sich 1992 trotz einer Niederlage in New Hampshire schließlich durchsetzte).

Wichtigster Vorwahltag ist schließlich der 2. März. An diesem "Super-Dienstag" finden Vorwahlen in zehn Staaten statt, darunter in Kalifornien und New York, die gemeinsam allein 87 der insgesamt 538 Wahlmänner stellen, die schließlich den US-Präsidenten wählen werden. Spannend wird es auch eine Woche später bei Vorwahlen in vier südlichen Bundesstaaten, darunter Texas und Florida mit gemeinsam 57 Wahlmännern.

Nächste Höhepunkte sind dann die Wahlkonvente der beiden großen Parteien, bei denen die jeweiligen Bewerber offiziell gekürt werden. Mit einer öffentlichkeits- und medienwirksamen Inszenierung des Kandidaten, der bei diesem Anlass auch seinen Mitstreiter für das Amt des Vizepräsidenten vorstellt, sollen in erster Linie die Anhänger für den dreimonatigen Intensivwahlkampf mobilisiert werden. Den Auftakt machen diesmal die Demokraten, die vom 26. bis 29. Juli in Boston zusammenkommen. Von 30. August bis 2. September halten die Demokraten in New York ihren Wahlkonvent ab, bei dem die Delegierten George W. Bush offiziell für seine zweite vierjährige Amtsperiode nominieren werden.

Am 2. November 2004 schließlich wird sich entscheiden, ob Bush oder sein Herausforderer die Geschicke der USA für die nächsten Jahre lenken wird - oder auch nicht: Hat doch die Wahl Bush gegen Gore im Jahr 2000 gezeigt, dass sich die Wahlentscheidung durch an sich harmlose kleine Löchlein in den Wahlkarten noch wochenlang verzögern lässt. (APA)

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