Staatsanwaltschaft ermittelt im Sexskandal

21. Jänner 2004, 08:39
5 Postings

Graz: Grapscher wurde versetzt - Grüne greifen steirischen Landesamtsdirektor an

Graz - In der Sexaffäre um einen der höchsten Landesbeamten der Steiermark hat nun die Staatsanwaltschaft ihre Ermittlungen aufgenommen. Nachdem durch Presseberichte bekannt geworden war, dass ein Hofrat, der seine Sekretärin über Monate hinweg sexuell belästigt haben soll, "strafversetzt" wurde, schaltete sich Staatsanwalt Peter Gruber ein.

Er sagte am Donnerstag zum STANDARD, dass aus strafrechtlicher Sicht nur die Nötigung und Bedrohung - der betroffenen Frau soll mit Konsequenzen gedroht worden sein, hätte sie ihr Schweigen gebrochen - relevant seien. "Grapschen ist noch kein Straftatbestand, das kommt aber noch."

Anzeigepflicht

Grüne und SPÖ stellten am Donnerstag die Frage nach der Anzeigepflicht von Landeshauptmann Waltraud Klasnic und ihrem Landesamtsdirektor Gerhart Wielinger, die beide von den Vorfällen Kenntnis hatten. Klasnic berief sich in einer Aussendung auf das Gleichbehandlungsgesetz, wonach ohne Zustimmung der betroffenen Frau keine weiteren Schritte - wie ein Disziplinarverfahren - möglich waren. "Schutz und Würde der Betroffenen" hätten Priorität gehabt. Der Staatsanwalt sieht das anders: "Wenn sich der Strafbestand der Drohung als gegeben erweist, hätte Klasnic Anzeige erstatten müssen."

"Vom Opfer zum Täter"

Für die Frauensprecherin der steirischen Grünen, Edith Zitz, sind vor allem die Aussagen Wielingers, der in der Tageszeitung "Die Presse" mit der Einschätzung, der Skandal sei "die Rache einer Frau" zitiert wird, nicht akzeptabel. Zitz über den steiermärkischen Landesamtsdirektor: "Wielinger macht sogar die Frau vom Opfer zum Täter, wenn er von Rache spricht. Ist das Unwissen oder blanker Sexismus?" (cms, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 16.1. 2004)

Share if you care.