Im Dauerwahlkampf um den Präsidentensessel wird es ernst

26. Jänner 2004, 11:43
1 Posting

Dean ist demokratischer Favorit, aber Bush bleibt das Maß aller Dinge - mit Infografik

Washington/Wien - Bei den Vorwahlen am 19. Jänner entscheidet sich die demokratische Hälfte der USA, wer ihrer Meinung nach das Land für weitere vier Jahre führen soll. Damit tritt der Wahlkampf in seine entscheidende Phase - dauert aber immer noch ein Dreivierteljahr. Wenn die Amerikaner am 2. November 2004 die Wahl zwischen dem derzeitigen republikanischen Präsidenten George W. Bush und seinem demokratischen Herausforderer haben werden, dann werden sie viele Monate eines Intensivwahlkampfes, von Parteiversammlungen, Vorwahlen und zwei riesigen Parteikonventen hinter sich gebracht haben.

Einzige Frau warf das Handtuch

Neun Demokraten kämpften bereits mehr als ein Jahr lang um das Vorrecht, gegen Bush antreten zu dürfen. Am Mittwoch hat die einzige Frau - Carol Moseley Braun - freiwillig das Handtuch geworfen. Die frühere Senatorin unterstützt nun den derzeit aussichtsreichsten Bewerber, Howard Dean. Wer von den verbleibenden acht Kandidaten es tatsächlich sein wird, darüber entscheidet ein kostspieliger Marathon von Wahlkämpfen und Vorwahlen in den einzelnen US-Staaten, der am kommenden Montag in Iowa seinen Anfang nimmt.

Dean startete aus Außenseiter

Gegenwärtig aussichtsreichster demokratischer Kandidat ist der frühere Gouverneur von Vermont, Howard Dean, der als kaum bekannter Außenseiter startete, sich mit seiner frühzeitigen und klaren Opposition gegen Bushs Kriegskurs im Irak und seinem generell direkten Konfrontationskurs zum Präsidenten letztlich an die Spitze der Herausforderer arbeitete.

Clark und Kerry als Hauptrivalen

Seine zwar im Moment auf Distanz gehaltenen, aber noch nicht hoffnungslos abgeschlagenen Hauptrivalen sind der frühere US-General und NATO-Oberkommandierende Wesley Clark sowie die Senatoren John Kerry aus Massachusetts, John Edwards aus North Carolina, Joseph Lieberman aus Connecticut und Richard Gephardt aus Missouri.

Die anderen zwei, mit gleichermaßen wenig finanziellen Mitteln wie Erfolgschancen ausgestatteten demokratischen Kandidaten sind der Abgeordnete Dennis Kucinich aus Ohio und der Bürgerrechtsaktivist Al Sharpton aus New York.

Werben um Delegiertenstimmen

Sie alle werden - zumindest in der Anfangsphase der Vorwahlen - bei Vorwahlen um die Stimmen der Delegierten der einzelnen Staaten werben, die schließlich auf dem großen Parteikonvent von 26. bis 29. Juli in Boston den Ausschlag über den Herausforderer Bushs geben werden. Wer dort die Mehrheit der 4.325 Delegierten hinter sich hat, der macht das Rennen. Viele Experten glauben aber, dass der Kandidat de facto bereits nach dem "Super Tuesday" am 2. März feststeht.

Bush ist unumstritten

Die Republikaner, bei denen der amtierende Präsident unumstritten ist, werden George W. Bush formell auf ihrem Konvent vom 30. August bis 2. September in New York auf den Schild heben.

Der Vorwahlprozess verleiht zwei relativ kleinen Staaten unverhältnismäßig großen Einfluss auf den weiteren Gang der Dinge: Iowa, wo seit 32 Jahren die erste Parteiversammlung ("caucus") stattfindet, und New Hampshire, dem Ort der ersten Vorwahl ("primary").

Iowa ist der erste Staat, der einen Hinweis auf die Zugkraft der Bewerber gibt. Als politisch wichtiger gilt aber New Hampshire. Dean und Gephardt kämpften - zuletzt mit leichten Vorteilen für Dean - in den Umfragen um die Pole-Position in Iowa, wo Clark gar nicht antritt. Dean führt laut Umfragen auch in New Hampshire, dort allerdings gefolgt von einem aufholenden Clark, der bereits auf 18 Prozent kommt. Dean liegt aber nach wie vor deutlich mit rund 35 Prozent voran.

Ein Sieg bei diesen ersten beiden Vorentscheidungen würde Dean enormen Auftrieb für die weiteren Wahlgänge geben. In einer aktuellen Umfrage des US-Magazins "Newsweek" räumten die Befragten ihm auch die größten Chancen auf einen Sieg gegen Bush ein. Lediglich bei der Bekämpfung des Terrorismus trauten sie dem Ex-General Clark mehr zu.

Allerdings fehlt Dean noch ein nicht unwesentliches Detail: Eine von CNN und Time beauftragte Umfrage zum Jahreswechsel ergab, dass 51 Prozent derzeit dem amtierenden Präsidenten gegenüber Dean (46 Prozent) den Vorzug gäben. Die generelle Zustimmung zu Bushs Amtsführung stieg - eindeutig in Zusammenhang mit der Gefangennahme des irakischen Ex-Präsidenten Saddam Hussein - mit Jahresbeginn 2004 wieder auf 60 Prozent. Letztlich führt der Weg ins Weiße Haus also noch immer über George W. Bush. (APA)

  • Bild nicht mehr verfügbar
Share if you care.