Enron: Ex-Finanzchef bekennt sich schuldig

21. Jänner 2004, 19:48
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Fastow akzeptiert Haftstrafe von zehn Jahren und will mit Staatsanwaltschaft kooperieren

Houston - Der mutmaßliche Hauptverantwortliche für den Bilanzfälschungsskandal des US-Energieriesen Enron hat sich vor Gericht zu zwei Anklagepunkten schuldig bekannt und eine Haftstrafe von zehn Jahren akzeptiert. Der ehemalige Finanzchef Andrew Fastow erklärte sich am Mittwoch ferner bereit, der Staatsanwaltschaft bei ihren Ermittlungen gegen die ranghöchsten Enron-Manager zu helfen. Beobachtern zufolge zählen dazu der frühere Vorsitzende Kenneth Lay und der Erste Geschäftsführer Jeffrey Skilling.

Gegen den 42-jährigen lagen dem Gericht in Houston insgesamt 98 Anklagepunkte wegen Betrugs, Insiderhandels, Geldwäsche und anderer Vergehen vor. Er bekannte sich zu zwei Vorwürfen wegen Verschwörung zu einer Straftat schuldig. Seine gleichzeitig erklärte Kooperationsbereitschaft mit den Ermittlern führte zu einem Deal, der die zehnjährige Gefängnisstrafe einschließt. Fastow hatten ursprünglich bis zu 20 Jahre Haft gedroht. In einer getrennten Vereinbarung stimmte Fastow außerdem zu, eine Geldstrafe von 23 Millionen Dollar (18 Millionen Euro) zu zahlen.

Absprache bereits gebilligt

Die Absprache wurde bereits vom zuständigen Bezirksrichter gebilligt. Offiziell soll das Strafmaßurteil aber erst am 19. April verkündet werden. Auch im Fall von Fastows Frau Lea, die ebenfalls in den Skandal verwickelt ist, wird eine Einigung mit der Staatsanwaltschaft erwartet. Einige der Enron-Millionen waren über ihre Konten gelaufen. Die Staatsanwaltschaft einigte sich nach Medienberichten mit Lea Fastow wegen einer falschen Steuererklärung auf fünf Monate Gefängnis und fünf Monate Hausarrest. Bei einem Schuldspruch im Falle eines Gerichtsverfahrens hätten ihr vier Jahre Gefängnis gedroht.

Bisher ist erst einer der Verantwortlichen für den Enron-Skandal hinter Gittern. Der Finanzmanager Ben Glisan hatte sich im September der Verschwörung schuldig bekannt und eine fünfjährige Haftstrafe angetreten. Die Konzernmanager sollen Scheingeschäfte getätigt haben, sodass in den Geschäftsbüchern ein höherer Konzerngewinn ausgewiesen wurde, als tatsächlich angefallen war.

Komplizierten finanziellen Transaktionen eingefädelt

Der frühere Finanzdirektor ist der bisher ranghöchste Enron-Manager, gegen den Anklage erhoben wurde. Er soll die komplizierten finanziellen Transaktionen eingefädelt haben, mit denen der desaströse Zustand des Energiekonzerns über lange Zeit verschleiert werden konnte. Das Energieunternehmen, das einst zu den zehn größten Konzernen der USA zählte und weltweit 20.000 Mitarbeiter beschäftigte, musste Insolvenz anmelden, nachdem seine Übernahme durch den Konkurrenten Dynegy Ende 2001 gescheitert war. Dies war nach dem Telefonkonzern WorldCom die zweitgrößte Firmenpleite der US-Geschichte. (APA/AP/dpa)

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