Afghanistan: Raketen nahe US-Stützpunkt eingeschlagen

16. Jänner 2004, 11:20
posten

Offenbar niemand verletzt - 49 pakistanische Taliban-Anhänger freigelassen

Kabul - In der Nähe des von US-Truppen genutzten Flughafens Khost im Osten Afghanistans sind rund ein Dutzend Raketen eingeschlagen. Wie ein Sprecher des Provinzgouverneurs am Donnerstag erklärte, gingen die Raketen auf Feldern in der Umgebung nieder. Sie seien am späten Mittwochabend von den Bergen südlich der Stadt abgefeuert worden. Verletzt wurde offenbar niemand. Der Sprecher, Hayatullah Taniwal, machte "Reste von El Kaida" für den Beschuss verantwortlich. Auf dem Flughafen sind 500 US-Soldaten und verbündete Truppen sowie US-Flugzeuge stationiert.

Neue Afghanistan-Konferenz

Inzwischen liegt der Demokratisierungsprozess in Afghanistan auf Eis. Nachdem die Vereinten Nationen die für Juni geplanten allgemeinen Wahlen in Afghanistan für nicht durchführbar halten, bemüht sich die Regierung in Kabul um eine internationale Konferenz zur Unterstützung des Befriedungsprozesses und des Wiederaufbaus. Diese könnte auch innerhalb der nächsten Wochen stattfinden.

Verfassung verabschiedet

Der Demokratisierungsprozess begann im Dezember 2001 mit der Afghanistan-Konferenz auf dem Petersberg bei Bonn. Auf dieser Konferenz war der Juni 2004 als Datum für die ersten demokratischen Wahlen nach Verabschiedung einer Verfassung vereinbart worden. Die Verfassung wurde nun von der Großen Ratsversammlung (Loya Jirga) verabschiedet - doch ob sie auch außerhalb von Kabul wirksam werden kann, wird angesichts der starken ethnischen Gegensätze bezweifelt.

Wachsende Gewalt

Wachsende Gewalt vor allem im Süden und Osten des Landes hat in den vergangenen Monaten ausländische Hilfskräfte und UNO-Mitarbeiter aus Afghanistan vertrieben. Der neue NATO-Chef forderte mehr Truppen und Ausrüstung für Afghanistan - nur so könne man außerhalb der Hauptstadt Kabul für Sicherheit sorgen, sagte De Hoop Scheffer am Mittwoch. Der scheidende Sondergesandte der Vereinten Nationen, Lakhar Brahimi, sprach von 5000 Soldaten, die zusätzlich zu den 5700 Soldaten der Internationalen Afghanistan-Schutztruppe (ISAF) benötigt würden. Die UNO hatte im vergangen Monat erklärt, ohne weitere Soldaten drohe das Land in Chaos zu versinken.

Ein Rückschlag für den Aufbau einer Armee ist Fahnenflucht von rund 3.000 Soldaten seit Gründung der Armee im Mai 2002. Die Soldaten desertieren aufgrund harten Drills, niedrigen Solds und Verbindungen der Rekruten zu bewaffneten Milizen, die noch immer weite Teile Afghanistans kontrollieren.

49 Pakistani freigelassen

Afghanistan ließ unterdessen 49 Pakistanis frei, die wegen Unterstützung des gestürzten Taliban-Regimes inhaftiert waren. Die Gefangenen kamen auf Anweisung von Präsident Hamid Karzai am Donnerstag in Kabul frei und wurden pakistanischen Regierungsbeamten übergeben. Auch die pakistanische Regierung hat zugesichert, afghanische Häftlinge freizulassen. Karzai und der pakistanische Ministerpräsident Zafarullah Khan Jamali haben vereinbart, bei der Bekämpfung des Terrorismus eng zusammenzuarbeiten. (red/APA/Reuters)

Share if you care.