Kranke Karibik-Korallen

18. Jänner 2004, 12:00
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Nährstoffe aus Abwässern schädigen die Polypen

Chapel Hill - US-Forscher haben bei Korallen in der Karibik festgestellt, dass Nährstoffe aus Abwässern Korallenpolypen krank machen. Pilzerkrankungen sorgen dafür, dass die Korallen langsam, aber sicher sterben, berichten die Forscher in der jüngsten Ausgabe der Ecology Letters. Immer noch tappen die Wissenschaftler aber im Dunkeln, was die genaue Ursache der Epidemien am Riff ist, schreibt das Wissenschaftsmagazin "New Scientist".

Enormes Ausmaß der Schäden

"Wir haben eindeutige Ergebnisse, dass der Nährstoffeintrag die Korallen krank macht", so Forschungsleiter John Bruno von der University of North Carolina in Chapel Hill. Bekannt ist in der Zwischenzeit auch das Ausmaß der Katastrophe: Mehr als 80 Prozent der Korallen in der Karibik sind in den vergangenen 20 Jahren erkrankt. Betroffen sind auch Riffe in Regionen, in denen geringere Umweltbelastungen auftreten. Die Wissenschaftler haben insbesondere zwei Erkrankungen an den Lebewesen untersucht: Aspergillosis, eine Pilzerkrankung, die vor allem Weichkorallen und Meeresfächer befällt und die Yellow-Band-Disease, eine Erkrankung, die riffbildenden Hartkorallen betrifft.

In Feldversuchen hat das Forscherteam von Bruno festgestellt, dass bei Erhöhungen der Nährstoffe durch Dünger das Immunsystem der Korallen massiv geschwächt wird. "Das konnten wir sowohl bei Meeresfächern als auch bei Hartkorallen deutlich erkennen", so Bruno. "Die untersuchte Hartkoralle der Spezies Montastraea wächst extrem langsam und ein Korallenstock braucht hunderte Jahre, um eine stattliche Größe zu erreichen", erklärt der Experte. Offensichtlich sorgen die reichen Nährstoffe, die sonst in den tropischen Gewässern eher spärlich vorhanden sind, für die Zerstörung der Korallenpolypen. Andere Forscher glauben, dass das unkontrollierte Algenwachstum die Korallen sozusagen verdrängt.

Blick nach Australien

Die Forschungsergebnisse werden Wasser auf die Mühlen der australischen Politiker sein, meinen Experten. Denn das größte Riffsystem der Welt, das Great Barrier Reef vor der Küste von Queensland soll nach Meinung der Öffentlichkeit unter noch besseren Schutz gestellt werden. Dazu sollen vor allem Freizeitaktivitäten eingeschränkt werden. Gefährdet ist das mehr als 1.900 Kilometer lange Riff durch Abwässer aus dem Zuckerrohranbau und den zahlreichen Rinderfarmen.

Aber auch hier gehen die Meinungen der Forscher weit auseinander: der australische Ökologe Peter Ridd von der James Cook University in Townsville sieht am Barrier Reef wesentlich geringere Nährstoffeinträge als bei den Versuchen der Forscher in der Karibik. Außerdem seien die Korallen noch relativ gesund. Umweltschützer argumentieren, dass die Landwirtschaft am Barrier Reef bereits heute ihren Tribut fordert. Das sei besonders an Riffen nahe der Küste deutlich erkennbar, denn dort habe die Biodiversität in den vergangenen Jahren rapide abgenommen. Clive Wilkinson, Korallenexperte am Australian Institute of Marine Life sieht die Zukunft der Riffe aber vor allem durch eine Vielzahl an Faktoren gefährdet: Krankheiten, Umweltverschmutzung und globale Erwärmung sind der Tod der Korallenriffe. "Es gibt keinen Grund den Panikknopf zu drücken, aber eine gewisse Nervosität ist schon vorhanden", so Wilkinson. (pte)

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