Wien: Mehr psychisch Kranke obdachlos

20. Jänner 2004, 18:33
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Maßnahmen, um Delogierungen zu verhindern - Wohnungen statt Großheime für Betroffene

Wien - Einige fallen im Stadtbild nicht auf, andere wiederum treffen sich zum Plauschen bevorzugt in U-Bahnstationen: Obdachlose. In nächster Zeit will man sich bei Caritas und Stadt Wien verstärkt um jene unter ihnen kümmern, die unter psychischen Problemen leiden. Derart Kranke seien überproportional von Obdachlosigkeit betroffen, erklärte Michael Landau, Caritas Wien.

Immer mehr psychisch Kranke in heimen

Er bemerke, dass immer öfter psychisch Kranke in den Heimen auftauchen. Verstärkt sollen sich deshalb künftig Sozialarbeiter und Psychologen um diese Menschen kümmern. Besonders Augenmerk müsse man auch obdachlosen Frauen widmen, erklärten er und SP-Sozialstadträtin Elisabeth Pittermann gestern, Montag bei einer Pressekonferenz.

Frauen sind öfter in sexueller Abhängigkeit

Peter Hacker, seit Anfang des Jahres bei der Stadt Wien für die Umsetzung der Obdachlosenhilfe verantwortlich, meinte, es sei eine falsche Annahme, dass es weniger obdachlose Frauen gäbe als Männer. Frauen würden sich aber öfter in sexueller Abhängigkeit begeben, um bei einem "Helfer" Unterschlupf zu finden.

Maßnahmen, um Delogierungen zu verhindern

Umstritten ist, ob Maßnahmen, um Delogierungen aus Wohnungen und damit Obdachlosigkeit zu verhindern, ausgebaut, oder aus Spargründen gekürzt werden. Die Grünen kritisieren dies seit Monaten. Rechnet man die Wohnangebote der Stadt Wien und jene von Organisationen wie beispielsweise der Caritas zusammen, können pro Tag bis zu 4000 Obdachlose Unterschlupf finden.

Obdachlosenhilfe wird bis 2005 umorganisiert

Tatsache ist, dass die Obdachlosenhilfe bis 2005 umorganisiert wird. Große Heime, wie jenes in der Meldemannstraße, in dem auch schon Adolf Hitler Unterschlupf gefunden hatte, wurden geschlossen. Das Familienheim in der Gänsbacherstraße (3. Bezirk) steht bereits leer, jenes in der Meidlinger Kastanienalle wird 2005 geschlossen. Bewohner dieser Häuser werden stattdessen in Wohnungen untergebracht und quasi ambulant betreut. Sie sollen unter Anleitung von Sozialarbeitern lernen, wieder selbständig zu leben und mit dem Geld auszukommen. (aw, DER STANDARD Printausgabe 15.1.2004)

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