Amerika greift nach dem Mars

26. Jänner 2004, 13:59
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Erst auf den Mond, von dort auf den Mars: US-Präsident George W. Bush präsentiert eine sündteure Weltrauminitiative

Es trifft sich nicht zufällig: Mittwoch bricht der US-Roboter "Spirit", der verkörperte amerikanische Pioniergeist auf dem Mars, zu seiner verheißungsvollen Erkundungsfahrt über den Roten Planeten auf. Und demonstriert nach dem vorjährigen Absturz der Raumfähre "Columbia" die Rückkehr ins All, und nach der zum Teil misslungenen europäischen Marsmission die Überlegenheit der Nasa. Fast zeitgleich verkündet US-Präsident George W. Bush seine Raumfahrtpläne für Dekaden: Ausmusterung der Spaceshuttles, Bau eines buchstäblich universell einsetzbaren Raumschifftyps, Mondmission und sogar Marsmission (siehe unten).

Die Pläne des Sohnes sind jedoch nicht neu, stammen im Kern von Papa George Bush, der als Präsident 1989 eine Mondstation und eine bemannte Marsmission bis zum Jahr 2019, dem 50. Jahrestag der ersten Mondlandung, vorgeschlagen hatte. Wenngleich es der Junior nicht ganz so eilig hat: Zwar könnte Amerika bereits in den nächsten zehn Jahren auf den Mond zurückkehren, den für einen Menschen kleinen, für die Menschheit jedoch großen Schritt auf den Mars dürfte es nicht vor 25 Jahren setzen.

Wozu aber das Ganze und wieso schon wieder auf den Mond? "Weil man von dort aus nicht die Erdanziehungskraft überwinden muss, wenn man zum Mars will", klärt Gernot Grömer auf. Der 28-jährige Astrophysiker der Uni Innsbruck kehrte erst im Vorjahr vom Mars zurück. Fast. Er war in der Wüste. In Utah. Dort lebte er mit Kollegen Wochen unter Mars ähnlichen Bedingungen in einem Forschungslabor, das für die Nasa untersuchen sollte, ob Astronauten am Mars (über-)leben könnten. Und? "Ja. Mit entsprechendem politischem Willen könnten wir schon in zehn Jahren dort sein. Es ist kaum noch eine Frage der Technik.

So sei das Problem der Strahlenbelastung theoretisch gelöst - mit derzeitigem Antrieb dauert ein Weg rund 250 Tage, in denen Astronauten extremer Radioaktivität im All ausgesetzt sind. "Man verwendet einen Nuklearantrieb, so wie es uns die Russen derzeit versuchsweise vormachen, was die Reisezeit auf wenige Wochen reduziert", erklärt Grömer. Das Wasser, das mitgeführt werden muss, bilde einen idealen Strahlenschutz, müsste rund um das Raumschiff verteilt sein. Es gibt neue Arzneien gegen Strahlenschäden. Auf dem Mars müsste ein "Returnvehikel" bereit stehen.

Dann könnte die Wissenschaft all jene Fragen klären, für die Roboter ungeeignet seien. Grömer gibt zu, dass es nur ein paar wenige sind, jedoch: "Um einen Menschen auf den Mars zu bringen, muss die Technik enorm vorangetrieben werden, was auch für irdische Belange bedeutend ist und vor allem viele Arbeitsplätze schafft." Und da "ein Mensch auf dem Mars für die Öffentlichkeit mehr hergibt als ein Roboter", sei auch Geld leichter zu lukrieren.

Auch die erneuten US-Mondpläne, analysiert Grömer, hätten "wirtschaftspolitische Aspekte": Auf dem Mond gebe es gewaltige Ressourcen etwa an Helium-3, dem Brennstoff für Kernfusion - die USA und andere Staaten haben in jüngster Vergangenheit gewaltige Summen in die Errichtung des internationalen Kernfusionsreaktors "Iter" gesteckt, der in Frankreich saubere Energie erzeugen soll. Auch andere Elemente, die im Zuge fortschreitender Technik immer interessanter würden, deren Abbau sich aber auf Erden nicht lohnt, seien auf dem Mond tonnenweise vorhanden. "Die USA wollen sich rechtzeitig ihre außerirdischen Claims abstecken."

Und extraterrestrische Waffensysteme? "Die haben die USA schon lange", ernüchtert Grömer. Einige Satelliten, die da oben herumkreisten, "dienen wenigstens zur Früherkennung von Interkontinentalraketen. Die USA haben sich bisher nicht an entsprechende internationale Verträge gehalten", meint der Physiker. Warum also jetzt? (Andreas Feiertag/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 15. 1. 2004)

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