NÖM an Parmalat-Betrieben im Osten interessiert

15. Jänner 2004, 17:21
posten

Laut "Raiffeisenzeitung" - Hameseder: "NÖM braucht Holding dazu nicht" - Eigenkapitalquote der NÖM auf 40 Prozent gestiegen

Wien - Sollte der Lebensmittelbereich des angeschlagenen Milchmultis Parmalat tatsächlich zerschlagen und einzelne Betriebe verkauft werden, dann würde die NÖM den Kauf angebotener Parmalat-Standorte in EU-Erweiterungsländern, wie etwa in Ungarn, "sorgfältig prüfen". Das sagte der Generaldirektor des NÖM-Haupteigentümers Raiffeisen-Holding NÖ-Wien, Erwin Hameseder, in der jüngsten Ausgabe der "Raiffeisenzeitung".

Eine Aufspaltung des Parmalat-Konzerns, bei der die gesunden Unternehmensteile herausgenommen werden, ist seit dem Insolvenzstatus des Nahrungsmittelkonzern immer wieder im Gespräch gewesen.

Sollte es zu derartigen Akquisitionen kommen, könne die NÖM dies aus eigener Kraft umsetzen, betonte Hameseder: "Dazu werden die Badener die Raiffeisen-Holding nicht brauchen." Die NÖM habe in den vergangenen fünf Jahren ihre Eigenkapitalquote aus eigener Kraft von damals acht Prozent auf derzeit etwa 40 Prozent ausgebaut. Am Kauf von Parmalat-Betrieben in Italien habe die NÖM kein Interesse.

Parmalat-Ungarn ist Favorit

Spezielles Interesse seitens Raiffeisen gebe es für die ungarischen Tochtergesellschaften von Parmalat, sagte der Generaldirektor der Raiffeisen Holding NÖ-Wien in der "Raiffeisenzeitung". Kreisen zufolge werde jedenfalls bereits intensiv an möglichen Beteiligungen oder Übernahmen "gerechnet".

Laut Auflistung der Firmenbeteiligungen auf der Parmalat-Homepage besitzt der italienische Konzern in Ungarn eine Produktionsfirma (Parmalat Hungaria Rt), die in Besitz der Parmalat spa steht, und eine Finanzgesellschaft (PDBI Liquidity Management Hungary LLc, die der kanadischen Parmalat Dairy & Bakery Inc. gehört).

Ebenfalls in Besitz von Parmalat-Ungarn ist die slowakische Tochter Parmalat SK s.r.o. in Bratislava.

In Rumänien besitzt Parmalat zwei Produktionsfirmen, die La Santamara srl und Parmalat Romania sa. In Russland hat der italienische Milchmulti acht Nahrungsmittelbetriebe.

Osteuropa-Netz als Heiratsgrund

Als der italienische Milchriese im Juli 2002 mit 25 Prozent bei der niederösterreichischen Großmolkerei NÖM eingestiegen war, war die Wahl des italienischen Partners unter anderem auch mit dem interessanten Osteuropa-Netz von Parmalat begründet worden. Die NÖM gehört mehrheitlich der Raiffeisen Holding Niederösterreich-Wien.

NÖM-Deal war kein Aktientausch

Hameseder auch erneut das Gerücht zurück, dass der Verkauf der NÖM-Anteile an Parmalat (25 Prozent und eine Aktie) über einen Aktientausch abgewickelt worden wäre. "Der Verkauf der NÖM-Aktien ist zu 100 Prozent in Cash gelaufen. Wir haben keine einzige Parmalat-Aktie als Gegenleistung hereingenommen. Auch manchmal kolportierte Ratenzahlungen hat es nicht gegeben", betonte Hameseder.

Einen "Gott sei dank sehr überschaubaren Schaden von weit unter einer Million Euro" werde möglicherweise die NÖM erleiden, weil die letzten Milchlieferungen von Parmalat nicht mehr bezahlt werden konnten. Trotz des wahrscheinlichen Forderungsausfalls werde die NÖM für das Jahr 2003 ein hervorragendes Ergebnis von etwa 18 Mio. Euro erwirtschaften.

Derzeit laufen mit Parmalat Gespräche über eine Wiederaufnahme der NÖM-Lieferungen. Wenn Parmalat wieder Zahlungen leisten könne, "werden wir nach Vorauszahlung liefern", hieß es erneut.

"Aus der Zeitung erfahren"

Von der Krise bei Parmalat habe er, Hameseder, aus den Zeitungen erfahren: "Das war nicht vorhersehbar". Er habe den heute unter massivem Betrugsverdacht stehenden Konzerngründer und Parmalat-Chef Calisto Tanzi bei den Verhandlungen als kompetenten und seriösen Gesprächspartner wahrgenommen. Hameseder: "Aus den persönlichen Begegnungen hätte ich so etwas nicht für möglich gehalten." (APA)

Share if you care.