Schwarze Abschiedssymphonie vor der Wahl

26. Jänner 2004, 20:09
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Die Salzburger Stadt-ÖVP verliert halbe Gemeinderatsfraktion

Salzburg - Der Wahlkampfmotor der Salzburger ÖVP läuft einfach nicht rund: Nach den Turbulenzen rund um die Präsentation von Wilfried Haslauer junior als Nachfolger von Landeshauptmann Franz Schausberger wollte Salzburgs VP-Vizebürgermeister Karl Gollegger am Mittwoch sein Team für die Gemeinderatswahlen vorstellen. Diese und die Direktwahl des Bürgermeisters werden gleichzeitig mit den Landtagswahlen am 7. März abgehalten. Nachdem ausgerechnet die parteieigene Salzburger Volkszeitung die brisanten Neuigkeiten rund um die ÖVP-Truppe zu früh hinausposaunt hatte, habe er den Termin kurzfristig absagen müssen, berichtet Golleger dem STANDARD.

Die neue Liste hat es dennoch in sich: Mit Klubchefin Judith Floimair, dem Vorsitzenden des Kulturausschusses, Alfred Winter, Promiwirt Hans Gmachl, der Richterin Ursula Mühlfellner und dem Unternehmer Wolfgang Unger verlassen gleich fünf der elf 1999 Gewählten das Team. "Es handelt sich um ausschließlich private oder berufliche Gründe", versichert Gollegger. An Gerüchten, wonach einige aus Protest gegen das VP-interne Auswahlverfahren ihren überraschenden Rückzug erklärt hätten, ist laut Gollegger nichts dran.

Das VP-Modell sieht vor, dass von insgesamt 80 Kandidaten - 40 Männer, 40 Frauen - jene ein Gemeinderatsmandat erhalten, die über die meisten Vorzugsstimmen verfügten. Gollegger hat sich als Stadtparteiobmann für drei Mandate "das Recht auf Vorreihung aus fachlichen Gründen" vorbehalten.

Unter den 80 Kandidaten finden sich neben Gollegger und den verbliebenen Gemeinderäten einige klingende Namen: Darunter etwa der aus der FP ausgeschlossene, "wilde" Gemeinderat Günter Ebetshuber. Mit dabei ist auch Elisabeth Werner - die frühere Ehefrau des designierten Schausberger-Nachfolgers Haslauer junior.

Zweiter Sitz als Ziel

Als Wahlziel nennt Gollegger "einen zweiten Sitz in der Stadtregierung". Angesichts des prognostizierten Absturzes der Freiheitlichen dürfte die ÖVP den Regierungssitz der FPÖ vermutlich auch erreichen. Dann hätten SPÖ und ÖVP je zwei Regierungsmitglieder und die Bürgerliste einen Sitz in der Stadtregierung.

In der Bürgermeisterdirektwahl rechnet Gollegger sich wohl auch selbst kaum Chancen aus. SPÖ-Bürgermeister Heinz Schaden führt in den Umfragen mit 43 Prozent haushoch vor seinen Konkurrenten Gollegger mit 20 und Bürgerlistenstadtrat Johann Padutsch mit 15 Prozent.

Bei der Sonntagsfrage führt die SP mit 41 vor der VP (30), der Bürgerliste (20) und der FP mit sechs Prozent. (neu/DER STANDARD, Printausgabe, 15.1.2004)

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