Krieg der Fingerabdrücke spitzt sich zu

15. Jänner 2004, 20:06
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Brasilien: US-Pilot nach obszöner Geste in Sao Paolo verhaftet - Hintergrund: Schärfere Einreisekontrollen für US-Bürger

Sao Paulo - Der so genannte Krieg der Fingerabdrücke zwischen Brasilien und USA hat sich mit der Festnahme der gesamten Besatzung eines US-Flugzeugs zugespitzt. Der Pilot von American Airlines habe sich am Mittwoch nach der Landung auf dem Flughafen von Sao Paulo geweigert, sich den neuen schärferen Einreisekontrollen für US-Bürger zu unterziehen, berichteten Medien unter Berufung auf die Bundespolizei. Er habe auch obszöne Gesten gemacht.

Die Beamten verstanden keinen Spaß und führten den 52-jährigen Dale Robin Hersh sofort ab. Wegen "Beleidigung des brasilianischen Nationalstolzes" verhängte ein Richter eine saftige Geldstrafe in Höhe von 36.000 Real (10.000 Euro).

Sorry

American Airlines entschuldigte sich umgehend für das Fehlverhalten ihres Piloten "bei der brasilianischen Regierung, den Flughafenbehörden, der Bundespolizei und allen, die sich sonst noch geringschätzig behandelt fühlen". Der Flugkapitän habe sich nicht respektlos zeigen wollen, erklärte die Fluggesellschaft. Auf einer Pressekonferenz in Sao Paulo erläuterte ein Polizeisprecher den Fall: Hersh habe eine "international als obszön bekannte Geste gegenüber der Polizei gemacht, die ihn fotografierte". Wegen "schwerwiegender Beleidigung" sei er festgenommen worden. Er hätte auch zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt werden können. Hersh und der Rest der Crew sollten noch am Mittwoch in die USA zurückfliegen

Besatzung wird voraussichtlich noch am Mittwoch in die USA zurückgeschickt

Die restlichen zwölf Besatzungsmitglieder der aus Miami kommenden Maschine hätten danach aus Solidarität ebenfalls die Kontrollen verweigert. Sie alle würden im Flughafen festgehalten, hieß es. Sowohl die US-Botschaft als auch das brasilianische Außenministerium wollten vorerst keine Stellungnahme abgeben.

"Gegenseitigkeitsprinzip"

US-Bürger müssen sich bei der Einreise in Brasilien seit dem 1. Jänner fotografieren und Fingerabdrücke nehmen lassen. Der Richter, der die neuen Kontrollen angeordnet hatte, rechtfertigte sie mit dem "Gegenseitigkeitsprinzip", nachdem die USA am 1. Jänner zur Terrorismusbekämpfung ebenfalls eine schärfere Einreiseregelung eingeführt hatten.

Per Erlass bestätigt

Die Regierung in Brasilia bestätigte den Richterbeschluss am Dienstag mit einem Erlass. Am Rande des Amerika-Gipfels im mexikanischen Monterrey forderte der brasilianische Präsident Luiz Inacio Lula da Silva seinen US-Kollegen George W. Bush auf, die Brasilianer von den neuen US-Einreiseregelungen auszuschließen.

US-Touristen werden auf Flughafen von Rio mit Rosen empfangen

In Rio de Janeiro werden unterdessen alle am internationalen Flughafen eintreffenden US-Bürger mit Rosen empfangen. Auf Initiative der Stadtväter, von Tourismusverbänden und Firmen bekommen sie auch T-Shirts mit der Aufschrift "Rio Loves You" und kleinere Geschenke. Rios Bürgermeister Cesar Maia und die Tourismusbranche hatten geklagt, dass die neuen Einreisebestimmungen der Zuckerhutstadt großen finanziellen Schaden zufügen würden. Die US-Amerikaner stellen in Brasilien mit knapp 500.000 Besuchern pro Jahr hinter den Argentiniern das zweitgrößte Touristenkontingent dar. (APA/dpa)

  • Stein des Anstoßes: Der US-Pilot Dale Robin Hersh ließ sich vor der Identifikationskamera der brasilianischen Behörden zu einer "obszönen Geste" hinreißen

    Stein des Anstoßes: Der US-Pilot Dale Robin Hersh ließ sich vor der Identifikationskamera der brasilianischen Behörden zu einer "obszönen Geste" hinreißen

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