Fokker Notlandung: Fehler des Piloten nicht ausgeschlossen

16. Jänner 2004, 11:47
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Trotz Meisterleistung des AUA-Piloten, der Maschine mit Bauchlandung sicher zu Boden brachte, sprechen einige von Mitschuld

Notlandung: Fehler des Piloten nicht ausgeschlossen Trotz fliegerischer Meisterleistung des AUA-Piloten, der jüngst seine Maschine mittels Bauchlandung sicher bei München zu Boden brachte, gibt es Stimmen, die dem Piloten Mitschuld an der Notsituation geben.

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Wien - Die Bauchlandung der AUA-Maschine in einem Acker nahe München könnte zumindest zum Teil auch auf ein Pilotenversäumnis zurückzuführen sein, heißt es aus Expertenkreisen. Diese meinen, der Fokker-Pilot Jan Michael Kurka habe möglicherweise das Antieisprogramm zu spät aktiviert.

Defekter Eisschutz

Bisher wurde vermutet (ein Bericht der deutschen Unfallkommission wird erst für Februar erwartet), dass der Eisschutz defekt war, was zum Leistungsabfall an beiden Triebwerken führte. Die so genannten Ice Impact Trays waren an beiden Triebwerken abgebrochen. Für die Experten stellt sich die Frage, ob diese Eisschutzleisten bereits in der Luft oder doch erst im Zuge der Notlandung abbrachen.

Die AUA will sich dazu jetzt nicht äußern und wartet auf den Bericht der zuständigen deutschen Flugunfallskommission. Unabhängig von der tatsächlichen Unfallursache war die Notlandung "eine fliegerische Glanzleistung", wie auch AUA-Chefpilot Gustav Baldauf feststellte.

Bekanntgabe der Unfallursache verblasst

In der Vergangenheit ist der Glanz jener Piloten, die einen Flieger trotz Gebrechen sicher landeten, oft nach Bekanntgabe der Unfallursache verblasst. So war es auch im Juli 2000, als eine Hapag-Lloyd-Maschine in Schwechat notlandete. Damals zwang der Ausfall beider Motoren einen Airbus des deutschen Ferienfliegers 500 Meter vor der Landebahn zur Notlandung. Der Kapitän konnte nach dem Start das Fahrwerk nicht einziehen. Er entschied dennoch, nach München weiterzufliegen, missachtete aber den höheren Treibstoffverbrauch. Eine Notlandung in Wien wurde notwendig. Doch wenige Kilometer vor der Landebahn fielen dann noch mangels Treibstoffs die Triebwerke aus. Dem Piloten gelang zwar eine meisterhafte Notlandung, die Schuld daran trug aber er.

Abtransport

Fokker-Spezialisten werden erst heute bekannt geben, wie der Abtransport der AUA-Fokker über die Bühne geht. Bisher wurden die Details für den Transport (wie weit muss die Maschine zerlegt werden, welche Route wird sie nehmen) ausgearbeitet. Sicher ist das Ziel: ein Lufthansa-Hangar in München, wo die Fokker weiter untersucht wird. (Claudia Ruff, DER STANDARD Printausgabe 15.1.2004)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Triebwerks-Überpruefung an einer Fokker 70 der Austrian Airlines

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