Grapschender Hofrat nur versetzt

15. Jänner 2004, 13:40
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Sexskandal in der Grazer Burg - Landeshauptfrau Klasnic schweigt

Graz - Kaum wurde die Sexaffäre des Grazer FPÖ-Politikers Ferdinand Spielberger gerichtlich beendet, machte am Mittwoch die Kleine Zeitung einen ähnlichen Skandal um einen hohen Beamten der Landesregierung bekannt. Wieder war eine Sekretärin monatelang den unerträglichen sexuellen Belästigungen ihres Chefs ausgesetzt. Ob es - wie im Falle Spielbergers - zu einer gerichtlichen Verurteilung des Täters kommt, ist jedoch fraglich.

Heikle Benimmfragen

Der betroffene Hofrat, der seit seiner Publikation "Protokoll mit Zeremoniell und Etikette" im Land als Experte für heikle Benimmfragen gilt, dürfte gegenüber einer ihm unterstellten Frau nicht nur die Etikette über Bord geworfen haben. Der ehemalige Protokollchef des Landes quälte seine Sekretärin mit Übergriffen wie dem Betasten ihrer Brüste, Küssen bis hin zur Aufforderung, ihm das Anlegen eines Kondomes zu demonstrieren. Dabei wurde der Frau abwechselnd mit unangenehmen Konsequenzen gedroht oder eine Beförderung versprochen, sollte sie etwas erzählen beziehungsweise schweigen. Die mittlerweile schwer kranke Frau wandte sich schließlich an die Gleichbehandlungsbeauftragte des Landes, Ingrid Jauk.

Wie Jauk gegenüber dem STANDARD bestätigte, bat der Mann sein Opfer in einem Sechs-Augen-Gespräch um Entschuldigung, wonach die Frau alle weiteren Schritte einstellte. Die Sekretärin verzichtet damit auch auf einen Schadenersatz von bescheidenen 363,4 Euro, der ihr nach dem Landes-Gleichbehandlungsgesetz zustehen würde. Statt einer Bestrafung wurde ihr ehemaliger Chef mit 1. Jänner 2004 als Referent ins Landesarchiv versetzt.

Landeshauptfrau Klasnic schweigt

ÖVP-Landeshauptfrau Waltraud Klasnic war am Mittwoch zu keinerlei Stellungnahme in der "Grapsch-Causa" bereit. Ein Vorgehen, das ihr von den Frauensprecherinnen von SPÖ, FPÖ und den Grünen unisono als Vertuschung übel genommen wird. Die Grünen-Frauensprecherin Edith Zitz will Klasnic nun im persönlichen Gespräch konfrontieren. Denn Zitz selbst habe in ihrer Funktion als Landtagsabgeordnete wiederholt unter verbalen sexuellen Belästigungen eines ÖVP-Kollegen zu leiden gehabt. (Colette M. Schmidt, DER STANDARD Printausgabe 15.1.2004)

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