Konkurs Safaripark Gänserndorf: Erste Interessenten

15. Jänner 2004, 19:53
27 Postings

Tiere könnten auf europäische Zoos aufgeteilt werden

Gänserndorf - Die Zukunft des Safariparks Gänserndorf ist noch ungewiss, die Hoffnung auf ein Weiterbestehen scheint jedoch berechtigt: "Es liegen mir Schreiben von ersten seriösen Interessenten vor", bestätigte Bürgermeister Johann Karl im APA-Gespräch. "Wir brauchen wieder Action, Abenteuer und Erlebnis. Vielleicht hat man in der Vergangenheit doch auf das falsche Pferd gesetzt."

Tötung der Tiere für Pechlaner kein Thema

Eine Tötung sämtlicher rund 850 Tiere des Safariparks Gänserndorf ist für den Direktor des Schönbrunner Zoos, Helmut Pechlaner, kein Thema: "Wir stehen selbstverständlich hinter dem Angebot der OZO (Österreichische Zoo Organisation, Anm.), im Falle eines Konkurses für die fachkundige Betreuung der Tiere zu sorgen. Wobei zumindest für ein halbes Jahr der Kostenaufwand gesichert ist", betonte er am Donnerstag in einer Aussendung.

Sollte sich keine zukunftsorientierte Lösung am Standort ergeben, sei es eine "denkbare Alternative", die Tiere in anderen europäischen Zoos zu platzieren. Solange jedoch die Verantwortlichen (die Geschäftsführung des Safariparks) die Entscheidungsbefugnis nicht an einen zuständigen Konkursrichter weitergegeben haben, seien keine Zukunftsprognosen möglich.

Markt ist gesättigt

Strategien, wie man die Besucherzahl des Safariparks wieder ansteigen lassen könnte, seien aber nur schwer umzusetzen: "Der Markt ist gesättigt. Ich geh' ja auch nicht jede Woche in den Wurstelprater. Das große Potenzial ist einfach nicht da", so Karl. Zudem fehle auch die Infrastruktur im "Hinterland". Zu wenig bis gar keine Kapazitäten bei Gästebetten und keinerlei optimale Verkehrsanbindung - vor allem aus slowakischer Richtung - scheinen ein baldiges Aufblühen der Institution Safaripark in weite Ferne zu rücken.

Safariepark ist wesentlicher Faktor für die Region

"Wogegen ich mich aber wehre, sind Vorwürfe, die Gemeinde habe zu wenig unternommen", widerspricht Karl seinen Kritikern. "Die Stadt hat einen exorbitanten kommunalen Außenstand." Die Aussichten für die Region - mit oder ohne Safaripark - bewertet der Bürgermeister als "gar nicht rosig". Hohe Jugendarbeitslosigkeit und stetig wachsende Konkurrenz am wirtschaftlichen Sektor beim unmittelbaren Nachbarn Slowakei: "Ich fürchte, dass wir wirtschaftlich überrollt werden könnten."

Wenig touristische Attraktionen

Dabei gebe es laut Karl auch im touristisch wenig erschlossenen Marchfeld genügend Attraktionen. Wellness und Natur wären Möglichkeiten, mit der die Region durchaus punkten könnte. Kritik übte der Gänserndorfer Bürgermeister auch an der Außenstelle des Tierparks Schönbrunn in Schlosshof: "Da hätte sich die Politik überlegen sollen, ob es nicht vielleicht gescheiter gewesen wäre, in bestehende Infrastruktur - sprich: den Safaripark - zu investieren."

Landeshauptmann und Landesregierung sind gefordert

Einen gemeinsamen Antrag zur Rettung des Safariparks Gänserndorf haben NÖ Grüne und FP-NÖ für die kommende Sitzung des Wirtschafts- und Finanzausschusses vorbereitet. Beide Parteien appellieren darin an ÖVP und SPÖ, diesen Antrag zu unterstützen. Die Landesregierung wird aufgefordert, zur Rettung des Safariparks "rasch die nötigen finanziellen Mittel zur Verfügung zu stellen, um kurzfristig das Leben der Tiere, aber auch die Arbeitsplätze der MitarbeiterInnen zu sichern."

Wissenschaftliches Vorzeigeprojekt

"Nun liegt es an Landeshauptmann Erwin Pröll und an der Landesregierung, das Weiterbestehen des Safariparks zu sichern. Gegenseitige Schuldzuweisungen und Beschimpfungen helfen niemandem", betonte Madeleine Petrovic, Klubobfrau der Grünen im NÖ Landtag. Das Projekt Safaripark ist nach Ansicht von Grünen und FPÖ "nicht nur ein Tourismusmagnet für die gesamte Region und ein wissenschaftliches Vorzeigeprojekt, was die Resozialisierung von ausgedienten Versuchstieren betrifft". Es sei auch eine weit über die Landesgrenzen hinaus bekannte Einrichtung, die mehr als 60 Arbeitsplätze schafft.

Es könne nur im Interesse des Landes liegen, die Umsetzung eines tragfähigen Sanierungskonzeptes - allenfalls gemeinsam mit dem Bund - zu ermöglichen, um den Standort langfristig zu sichern. Daher ist laut Petrovic das Land gefordert, eine "Überbrückungshilfe für die kommenden sechs Monate" zu gewähren.(APA)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Immer weniger Besucher lockte das kleine "Safarie- Erlebnis"

Share if you care.