Niedrige Inflation stärkt deutsche Wirtschaft

21. Jänner 2004, 19:45
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Geringster Preisanstieg seit 1999 - Rückläufiger Trend bei Geräten der Informationsverarbeitung sowie Haushaltsgeräten

Wiesbaden - Die Verbraucherpreise in Deutschland wiesen 2003 mit 1,1 Prozent die niedrigste Steigerung seit 1999 auf. In den beiden vorangegangenen Jahren hatte die jährliche Teuerung noch 1,4 und 2,0 Prozent betragen. Dieses endgültige Ergebnis veröffentlichte das Statistische Bundesamt am Mittwoch in Wiesbaden, womit auch die bisherigen Schätzungen bestätigt wurden.

Vor allem der rückläufige Trend bei Geräten der Informationsverarbeitung (minus 20,4 Prozent) sowie Haushaltsgeräten (minus 0,7 Prozent) und stabile Preise für Nahrungsmittel trugen zu der günstigen Entwicklung bei. Damit konnten vor allem die im Jahresdurchschnitt erhöhten Preise für Mineralölprodukte (4,4 Prozent) deutlich kompensiert werden.

Innerhalb der Europäischen Währungsunion kann die Bundesrepublik mit einer der niedrigsten Inflationsraten aufwarten. In den großen Euro-Volkswirtschaften Frankreich und Italien dürfte die Teuerung etwa doppelt so hoch ausfallen. Die spanischen Konsumenten müssen sogar Preiserhöhungen von rund drei Prozent verkraften.

Eurozone hilft Deutschland

Die recht unterschiedliche Entwicklung in Euroland verschafft der deutschen Wirtschaft zusätzliche Wettbewerbsvorteile. Auch für die Unternehmen werden die Kosten niedriger steigen als bei der Konkurrenz. Im Gegensatz zu den 90er Jahren können die europäischen Nachbarn nicht mehr über eine Abwertung ihrer Währungen entstehende Kostennachteile ausgleichen.

Allen Unkenrufen zum Trotz hat sich der Euro gerade in Deutschland auch im Innenverhältnis nicht zu einer Weichwährung entwickelt. Angesichts der seit drei Jahren anhaltenden Stagnation gerät die rigide Stabilitätspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) sogar zunehmend in die Kritik.

Der stabile Außenwert des Euro wird angesichts des derzeitigen Niveaus von 1,28 Dollar - rund 10 US-Cent über dem Einführungskurs Anfang 1999 - mittlerweile sogar als zu hoch für die Exportwirtschaft angesehen.

Der Höhenflug des Euro hat allerdings auch positive Auswirkungen auf die Preis- und Konjunkturentwicklung. Die währungsbedingt günstigeren Einfuhren aus Nordamerika und Asien verschaffen den privaten Haushalten zusätzliche Kaufkraft.

Starke Euro erhöht Binnennachfrage

Dies stärkt tendenziell die Binnennachfrage, die im Gegensatz zum florierenden Exportgeschäft seit Jahren die Achillesferse der wirtschaftlichen Entwicklung hier zu Lande ist. Auch für die Gewerkschaften ist es leichter, bei geringem Preisanstieg Tarifabschlüsse mit niedrigen Prozentzahlen abzuschließen.

Durch die Klammer der Währungsunion werden nach Angaben der Bundesbank ohnehin 43 Prozent der deutschen Ausfuhren nicht mehr unmittelbar von Kursschwankungen betroffen, da sie in den Euroraum fließen. Den Bremseffekten für die Lieferungen nach Übersee sind jedoch die entlastenden Faktoren durch günstigere Importe vor allem für Energie gegenüber zu stellen. Insgesamt dürfte daher der hohe Eurokurs gegenüber dem schwachen Dollar den Exportweltmeister Deutschland nicht nachhaltig tangieren. (APA/dpa)

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