Erwachsene Chimären

19. Jänner 2004, 18:07
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Werden Schweine-Föten humane Stammzellen injiziert, bleibt ein Teil der Erbsubstanz vermischt

London/Rochester/Wien - Sowohl Chancen als auch Gefahren zeigen jüngste Forschungen an "Schwein-Mensch-Mischwesen" - so genannte Chimären - an der Mayo Clinic in Rochester (US-Bundesstaat Minnesota) auf. Tiere, denen als Föten humane Stammzellen verabreicht worden waren, hatten im erwachsenen Zustand immer noch teils menschliche, teils vermischte Erbsubstanz (DNA) in ihren Zellen, meldet die britische Wissenschaftszeitschrift "New Scientist".

Die Chimären-Versuche gelten vor allem als Hoffnung für die Transplantationsmedizin. Die Hoffnung ist, dass man in Tieren menschliche Organe heranwachsen lässt und diese dann bei Bedarf in Menschen transplantieren kann. Damit wäre der permanente Engpass an geeigneten Organen zu beheben, auch könnten etwa Abstoßungsreaktionen durch entsprechendes Maßschneidern der Organe gemildert werden.

Verschmolzene Zellen ...

Die Schwein-Mensch-Mischwesen, die von den amerikanischen Forschern hergestellt wurden, zeigten als Erwachsene Erstaunliches. Die Zellen der Tiere enthielten nämlich zum Teil sowohl menschliche als auch Schweine-DNA. Es sei das erste Mal, dass derart verschmolzene Zellen in einem erwachsenen Tier beobachtet wurden, so die Wissenschafter. "Was wir beobachteten war völlig unerwartet. Wir fanden, dass die Menschen- und Schweinezellen innerhalb des Tierkörpers völlig verschmolzen waren", sagte Jeffrey Platt, Direktor des Mayo Clinic Transplantation Biology Program.

Die Wissenschafter fanden in den Tieren reine Schweine-Zellen, die also nur Schweine-DNA im Zellkern hatten. Daneben gab es aber auch Zellen mit rein menschlichem Erbgut und schließlich Hybrid- oder Mischzellen mit Anteilen von menschlicher und tierischer DNA.

... mit möglichen Konsequenzen

Die Forscher diagnostizierten auch ein Virus - genannt PERV -, das praktisch alle Schweine in sich tragen. Es fand sich sowohl in den Tier- als auch in den Hybrid-Zellen. Das ist insofern beunruhigend, als schon frühere Untersuchungen zeigten, dass PERV aus Schweinezellen Menschen nicht infizieren können, solche aus Hybridzellen sehr wohl.

Möglicherweise könnte auch der AIDS-Erreger, das HI-Virus, einen ähnlichen Weg vom Affen zum Menschen genommen haben, sagte Platt. So könnten durch einen Biss eines mit dem ursprünglichen Affen-Virus infizierten Tieres auch Stammzellen in einen menschlichen Körper gekommen sein. Durch ähnliche Verschmelzungsvorgänge wie bei den Schweinen wäre so das HI-Virus auch für Menschen pathogen geworden.(APA)

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