Österreichs Jugend ist zu dick

16. Jänner 2004, 19:06
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Volksschüler "vertilgen" zuviel Fleisch - Dickste Buben in der Steiermark, molligste Mädchen im Burgenland - mit Grafik

Die österreichischen Kinder und Jugendlichen sind zu dick. Laut einer aktuellen Studie bringt mehr als ein Viertel der Sechs- bis 18-Jährigen zu viel Gewicht auf die Waage.

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Linz - Täglich eineinhalbmal mehr Fleisch und Wurst als empfohlen, nur halb soviel Obst und Gemüse wie notwendig - so sieht der Speiseplan österreichischer Kinder im Alter zwischen sieben und neun Jahren aus. In der Gruppe der Sechs- bis 18-Jährigen sind 28 Prozent der Buben und 25 Prozent der Mädchen übergewichtig.

Signifikantes Ost-West-Gefälle

Diese Ergebnisse sind Teil einer am Mittwoch beim ersten "Österreichischen Schulärztekongress" im Linzer Design-Center präsentierten Studie des Institutes für Sozialmedizin der Medizinischen Universität Wien. "Besonders auffallend ist ein signifikantes Ost-West-Gefälle: Im Osten sind schulpflichtige Kinder dicker als im Westen", erklärt die Initiatorin der Studie, die Sozialmedizinerin Anita Rieder im STANDARD-Gespräch.

Mit einem Anteil von 34 Prozent schwergewichtiger Burschen zwischen sechs und 18 Jahren führen die Steiermark und Niederösterreich. Den geringsten Anteil haben Kärnten und Tirol mit 23 Prozent.

Die meisten übergewichtigen Mädchen leben im Burgenland (31 Prozent), Wien liegt hier mit 23 Prozent im unteren Bereich, am schlanksten sind die Tirolerinnen: 19 Prozent wiegen dort zu viel.

Beim Übergewicht führen amerikanische Teenager

Bei Jugendlichen wird für die Berechnung des Übergewichtes der Body-Mass-Index (Gewicht dividiert durch Größe in Metern hoch 2) herangezogen. Übergewicht beginnt ab einem BMI von 25. Für kleinere Kinder gelten Gewichts- und Größentabellen.

Weltweit führen beim Übergewicht die amerikanischen Teenager. Das zeigte ein internationaler Vergleich von fast 30.000 Jugendlichen aus 15 Ländern. Die schlanksten Jugendliche leben in Litauen. Deutsche Burschen und Mädchen rangieren im Mittelfeld.

Bildung entscheidend

Deutlich zeige die österreichische Studie "die Verbindung zwischen übergewichtigen Kindern einerseits und dem Bildungsniveau der Eltern andererseits", so Rieder. In Familien, "in denen die Eltern keine höhere Schulbildung haben, liegt auch der Anteil der übergewichtigen Buben bei 33 Prozent, der der Mädchen bei rund 27 Prozent." In Akademikerfamilien liege der Anteil bei den Burschen bei 18 und bei den Mädchen bei 20 Prozent.

Ein Vergleich mit statistischen Daten über das Durchschnittsgewicht von Kindern und Jugendlichen aus den vergangenen Jahrzehnten sei - so die Meinung mehrerer Experten - schwierig. Es gebe keine passenden Aufzeichnung aus diesen Jahren, außerdem sei ein direkter Vergleich mit der aktuellen Studie "nur unter Berücksichtigung vieler Einzelfaktoren zulässig".

Gesundheitsministerin Maria Rauch-Kallat (VP) präsentierte am Mittwoch im Rahmen des Kongresses als Präventivmaßnahme den "Gesundheitspass" für Jugendliche ab 14. Wichtig sei, so Rauch Kallat, dass dieser Pass "mega-affen-titten-geil gestaltet ist" und dadurch besonders "ansprechend" sei. Der Pass umfasst einen Impfpass, ein Infoheft und eine Liste mit allen gesundheitlich relevanten Daten des Besitzers. (Markus Rohrhofer, DER STANDARD Printausgabe 15.1.2004)

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