NSDAP-Mitgliedschaft eine "Bagatelle"?

19. Jänner 2004, 18:14
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Diskussion um Vergangenheit des Literaturwissenschafters Walter Jens geht weiter

Hamburg - Der Berliner Historiker Götz Aly hat die Mitgliedschaft des Literaturwissenschaftlers Walter Jens in der NSDAP als "Bagatelle" bezeichnet. "Stellt man die Ungefestigtheit und Experimentierlust eines nicht einmal 20-Jährigen in Rechnung, dann handelt es sich um eine Bagatelle, die der öffentlichen Erörterung nicht wert ist", schreibt Aly in der neuen Ausgabe der Hamburger Wochenzeitung "Die Zeit". Entscheidend bleibe, dass sich Jens die Möglichkeit zur Umkehr, noch während der NS-Herrschaft, bewahrte.

Aly hat neben den NSDAP-Mitgliederkarten von Walter Jens verschiedene Dokumente gesichtet, die Auskunft über dessen akademische Jugend in der NS-Zeit geben. "Würdigt man sie in ihrer Gesamtheit, dann spricht vieles für Jens' Darstellung, er habe von seiner NSDAP-Mitgliedschaft nichts gewusst und sich niemals aktiv um den Parteieintritt bemüht", erläutert der Historiker.

Laut "Internationalem Germanistenlexikon 1800-1950" (Verlag de Gruyter, Berlin) war Jens am 1. September 1942 in die NSDAP aufgenommen worden. Der heute 80-jährige Ehrenpräsident der Akademie der Künste hatte in den vergangenen Wochen mehrmals betont, nichts von einer Parteimitgliedschaft gewusst zu haben. Er hatte aber unlängst auch Fehler eingeräumt. Im Fernsehen sagte er: "Ich verstehe, dass viele von mir enttäuscht sind. Ein bisschen frühere Deutlichkeit, etwa am Ende der 50er und am Anfang der 60er Jahre, wäre um der umfassenden Redlichkeit willen angezeigt gewesen". (APA/dpa)

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