Salzburger Wahlkampf: Persönliche Homepage als Muss für Kandidaten

22. Jänner 2004, 12:19
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Familienfotos, private Geständnisse und Landeshymne als Lockmittel für User

Kaum hatte die ÖVP vergangene Woche bekannt gegeben, dass der Rechtsanwalt Wilfried Haslauer bei den Landtagswahlen als Nummer zwei ins Rennen geht, präsentierte sich der politische Quereinsteiger nicht nur den Salzburgern, sondern der weltweiten Internet-Gemeinschaft mit seinen Visionen und Plänen. Die Adresse http://www.wilfried-haslauer.at ist nur eine, die im Wahlkampf als neue Domain vergeben wurde. Kaum ein Spitzenkandidat verzichtet auf seine persönliche Homepage, um sich mit Familienfotos und Visionen zu präsentieren.

www.gabi.at

Gerade noch rechtzeitig vor dem offziellen Wahlkampfauftakt schaltete die SPÖ am Mittwoch die Adresse http://www.gabi.at frei. Dort erfährt man, dass der Ehemann der sozialdemokratischen Spitzenkandidatin Gabi Burgstaller den Haushalt schupft und gut kocht. Ihre Lieblingsbücher listet sie ebenso auf wie ihre bisherigen politischen Erfolge. Wer nicht nur Informationen über Burgstaller sucht, sondern sie auch im Wahlkampf unterstützen will, der kann via Internet der Initiative "Pro Gabi" beitreten. Damit es nicht zu Jux-Unterstützungen oder Missbrauch kommt, wird die Partei eine Kontrollebene einziehen, bevor der Unterstützer oder die Unterstützerin online geht. Ein Gästebuch vermisst man auf "www.gabi.at". "Entweder ein freies Gästebuch oder kein Gästebuch", ist die Devise von Wolfgang Schmidbauer, Pressereferent der SPÖ Salzburg. In der Vergangenheit hat die SPÖ mit Gästebucheintragungen schlechte Erfahrungen gemacht. Bis zum Wochenende soll auch die Homepage der Salzburger SPÖ neu gestaltet werden.

Interaktivität - eine Stärke des Mediums Internet - ist nicht Sache der Salzburger Parteien. Auf Online-Gästebücher haben die meisten verzichtet, lediglich Bürgermeister Heinz Schaden (SPÖ) lässt sich auf seiner Homepage http://www.heinzschaden.at auf dieses Wagnis ein. Bei fast allen anderen kann man Kandidaten oder Parteisekretariate per E-Mail kontaktieren. Den 7. März dürfte sich Schaden im Kalender übrigens noch nicht rot angestrichen haben: Klickt man unter der Rubrik Termine dieses Datum an, kommt die Meldung "Es stehen keine Termine für den ausgewählten Zeitpunkt an".

"coming soon"

Während Wilfried Haslauer schon mit einer eigenen Homepage sein Profil schärft, kommt der User unter der Adresse http://www.schausberger.at noch auf den Hinweis "coming soon". Die Seite ist noch eine Baustelle und soll in den nächsten Tagen mit neuem Inhalt freigeschalten werden, sagte Pressesprecher Thomas Kerschbaum. Die Seite der ÖVP Salzburg lautet http://oevp-sbg.or.at. Bunt und überladen ist diese Seite, die nicht nur Programme, Visionen, Leistungsschau und Kandidaten bietet, sondern auch ein Spielchen namens "Pacman". Auch sie wird in den kommenden Tagen neu gestaltet und im Wahlkampf-Design erscheinen. Klickt man auf der noch bestehenden alten Seite auf den Button "schausberger.at" wird man umgeleitet: Man kommt auf die Seite des Landes Salzburg http://www.salzburg.gv.at/schausberger.htm, wo man das Fotoalbum des Landeshauptmanns durchblättern kann. Schausberger mit Menschen, mit Einsatzorganisationen, im Ruderleiberl mit der Familie beim Baden oder auf Wander- und Radtouren.

"Da hör her"

Karl Gollegger, Bürgermeisterkandidat der ÖVP in der Stadt Salzburg, hat keine persönliche Domain. Seine Konkurrentin Doris Tazl von der FPÖ hingegen ist unter http://vorstellbar.at präsent. Dort erfährt man private Geständnisse wie die Lieblingsfarbe der Spitzenkandidatin - blau -, dass Rauchen zu ihren Lastern gehört und Julia Roberts ihre Lieblingsschauspielerin ist. Patriotisch gibt sich Tazl unter der Rubrik "Da hör her": Der User kann die Landeshymne abrufen.

http://www.unbequem.at

Das neue "Green-Team" stellt sich unter der Adresse http://www.salzburg.gruene.at vor. Man kann sich über die Kandidaten informieren, das Programm und Termine abrufen. Kleine Spielerei am Rande: Von der Adresse der Grünen aus kann der Internet-Benützer auch elektronische Postkarten verschicken. Unter http://www.unbequem.at stellen sich die Kandidaten der Bürgerliste der Internet-Gemeinde vor.

Nur einer hat es übersehen, sich rechtzeitig eine Domain mit seinem Namen zu sichern: Wer http://www.karlschnell.at eingibt, gelangt nicht auf die Homepage des Salzburger FP-Chefs. Ein namensgleicher Künstler aus Wien präsentiert unter dieser Adresse seine Werke. (APA)

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