Mickrige Gehaltserhöhungen

22. Jänner 2004, 14:54
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Mit der Steuerreform wurde die Progression deutlich verschärft

Die Steuerreform 2005 soll, laut der Regierung, zwar insgesamt eine Entlastung für den Arbeitnehmer bringen, birgt aber auch eine bisher wenig beachtete "Falle": Die Progression ist deutlich verschärft, meldet der ORF. Auch wenn die Steuer insgesamt niedriger ausfallen wird, lukriert das Finanzamt folglich ab 2005 bei Gehaltserhöhungen mehr. Wer über 10.000 Euro verdient und ab 2005 eine Lohnerhöhung bekommt, liefert mehr Steuer ab.

Bisher gibt es - je nach Einkommenshöhe - fünf Steuerstufen: null, 21, 31, 41 und 50 Prozent. Aus diesen Grenzsteuersätzen lässt sich der Durchschnittssteuersatz errechnen, der im Normalfall unter dem Grenzsteuersatz liegt.

Progression deutlich schärfer

Die Progression auf den nächsten verdienten Euro sei deutlich schärfer geworden, sagte der Vorsitzende des Fachsenats für Steuerrecht in der Kammer der Wirtschaftstreuhänder, Karl Bruckner, am Mittwoch im Ö1-Morgenjournal. Künftig gibt es zwar wieder Durchschnittssteuersätze auf das Gesamteinkommen, dahinter verbergen sich aber teilweise deutlich höhere Grenzsteuersätze. Die neuen Grenzsteuersätze liegen bei null, 38,3, 43,6 und 50 Prozent. Von einer Gehaltserhöhung behält das Finanzamt künftig also mehr ein, auch wenn die Steuer insgesamt niedriger ist, weil ein größerer Teil des Gehalts mit null besteuert wird.

Einfacherer Tarif gesucht

Man habe bei der Reform nach einem einfachen Tarif gesucht, bei dem die bisher vier Grenzsteuersätze durch drei ersetzt werden. Dabei wurde darauf geachtet, dass über den gesamten Tarifverlauf keine Einkommensstufe schlechter als bisher aussteigen sollte, so Bruckner gegenüber der APA.

Höchststeuersatz höher als in Deutschland

Als einen Nachteil bei dem neuen Steuertarif sieht Bruckner, dass der erste Grenzsteuersatz mit 38,3 Prozent relativ hoch ansetzt. Beim Höchststeuersatz, der mit 50 Prozent belassen wurde, liegt Österreich künftig höher als Deutschland, das mit seiner Steuerreform einen Höchststeuersatz von 42 Prozent aufweist, zuzüglich dem Solidaritätszuschlag für die Deutsche Einigung von 5,25 Prozent, in Summe also 47,25 Prozent.

Am untersten Ende wurde die steuerfreie Zone, die mit 1. Jänner 2004 für Arbeitnehmer auf 14.500 Jahresbrutto angehoben wurde, auf 15.770 Euro erweitert, womit erst Einkommen ab dieser Höhe in die Steuerpflicht hineinwachsen.

Für Selbstständige beginnt diese Einkommensgrenze ab dem Jahr 2005 bei 10.000 Euro, heuer liegt sie bei 8.888 Euro.

Die Differenz von Lohnsteuerpflichtigen zu Einkommensteuerpflichtigen erklärt sich aus den allgemein gültigen Abschlägen durch den Verkehrsabsetzbetrag und den Arbeitnehmerabsetzbetrag, die mit zusammen 345 Euro in den Tarif eingearbeitet wurden. Der bisherige allgemeine Steuerabsetzbetrag wurde bereits mit der ersten Steuerreformetappe 2004 in den Tarif eingebaut. Da damit die bisherige Einschleifregelung weggefallen ist, erklärt sich die relativ steile Progression beim Einsetzen des ersten Grenzsteuersatzes. (red,APA)

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