Bush wird mehrstufigen Weltraum-Plan verkünden

14. Jänner 2004, 20:05
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Erst unbemannter Mondflug, später Aufbau einer Mondbasis und Vorbereitung für einen Marsflug - geteiltes Echo

Washington - Bei der Vorstellung seiner Weltraum-Initative am Mittwoch wird US-Präsident George W. Bush Regierungsvertretern zufolge das Ziel einer unbemannten Mondmission noch in diesem Jahrzehnt ausgeben. Damit solle der Boden für bemannte Flüge zum Mond bis Mitte des nächsten Jahrzehnts bereitet werden, sagten Regierungsvertreter. Von einer Mondbasis aus könne dann später ein Flug zum Mars starten.

Neue Raumschiffe

Teil dieses Plans sei auch eine neue Generation von Raumschiffen, die sowohl für Flüge zum Mond als auch zur internationalen Raumstation ISS eingesetzt werden können. Die neue Kapsel soll wie die Apollo-Raumschiffe der 60er und 70er Jahre mit einer Trägerrakete gestartet werden.

Auf dem Amerika-Gipfel im mexikanischen Monterrey sagte Bush am Dienstag, der Geist seiner Initiative "wird der einer ständigen Erforschung sein". Es gehe darum, zu neuen Ufern aufzubrechen.

Kostenfrage

Doch Raumfahrtexperten verweisen darauf, dass die US-Raumfahrtbehörde Nasa rund ein Jahr nach dem Absturz der "Columbia" damit beschäftigt ist, die Shuttle-Flüge wieder aufzunehmen und die ISS fertig zu bauen. Die demokratischen Präsidentschaftskandidaten wiederum kritisieren, dass Bush ein ambitioniertes Weltraum-Programm vorschlägt, obwohl das US-Haushaltsdefizit in diesem Fiskaljahr voraussichtlich auf umgerechnet mehr als 392 Milliarden Euro steigen wird.

Zur Finanzierung des Plans wird Bush den Angaben zufolge eine Erhöhung des Nasa-Budgets um fünf Prozent pro Jahr für die kommenden drei Jahre vorschlagen. Zudem sollen Mittel aus anderen Programmen umgeleitet werden. Wenn etwa das Space Shuttle nach Fertigstellung der ISS ausgemustert wird, würden 3,5 Milliarden Dollar im Jahr frei, hieß es.

Geteiltes Echo

Die ehrgeizigen Pläne stoßen beim amerikanischen Volk auf ein geteiltes Echo. Mehr als die Hälfte der Befragten einer Umfrage im Auftrag der Nachrichtenagentur AP gab an, das erforderliche Geld solle besser ins Bildungs- oder Gesundheitssystem gesteckt werden.

Laut bisherigen Berechnungen für eine Marsmission würde das Projekt mehrere hundert Milliarden Dollar verschlingen. In der Umfrage gaben 55 Prozent an, die Mittel sollten besser in die sozialen Sicherungssysteme investiert werden. Unter den Demokraten lag die Ablehnung gegen die Bush-Pläne bei zwei zu eins. Die meiste Zustimmung kam von jungen Männern und Personen mit höherem Einkommen. Auf die Frage, ob anstelle von Astronauten weiterhin Roboter zum Mars geschickt werden sollten, antworteten 57 Prozent mit Ja und 38 mit Nein.

Beobachter sehen in dem Vorstoß Bushs einen Versuch, von heimischen und internationalen Problemen seiner Amtszeit ein knappes Jahr vor der Wahl abzulenken. "Man kann einen Krieg führen, Steuern senken und trotz einer angeschlagenen Wirtschaft Milliarden für die Raumfahrt verschleudern", sagte Dallas Hodgins, ein eremittierter Professor der Michigan University. "Aber wie soll das alles bezahlt werden? Das ist moralisch nicht zu rechtfertigen." (APA/AP)

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