11.000 Meter unter dem Meer: Neue Tiefseemission

19. Jänner 2004, 12:54
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US-Wissenschafter basteln an neuem Tauchroboter, der den Marianengraben erforschen soll

Washington/Wien – Kurz Luft geschnappt, taucht der Pottwal ins Dunkel der Tiefsee, um Jagd auf seine Leibspeise zu machen: den Riesenkalmar (Architeuthis). Wie aber findet der rund 50 Tonnen schwere Säuger den bis zu 18 Meter langen Kopffüßer?

Geortet wird die Beute mittels Echolotsystem, darin ist sich die Wissenschaft inzwischen einig. Damit der flinke Kalmar aber nicht entkommt, soll ihn der Pottwal mit einer Art Ultraschallkanone lähmen. Dies ist jedoch blanke Vermutung. Auch das Beutereißen hat noch nie ein Forscher zu Gesicht bekommen.

Die Menschheit kennt die Marsoberfläche heute bereits besser als den Meeresboden. Obwohl zwei Drittel der Erde von Ozeanen bedeckt sind, sind mehr als 90 Prozent davon noch völlig unerforscht. Was sich laut US-Wissenschaftern bald ändern soll.

HROV

Gesponsert mit vier Millionen Euro von der US-Navy und der National Science Foundation, bastelt die Woods Hole Oceanographic Institution gemeinsam mit der Johns Hopkins University an dem Tiefseeroboter HROV (Hybrid Remotely Operated Vehicle), der in gut drei Jahren zu seiner spektakulären Reise aufbrechen soll: 47 Jahre nachdem Jacques Piccard und Don Walsh 1960 in einem U-Boot erstmals im pazifischen Marianengraben den tiefsten Punkt der Erde erreicht haben, soll wieder auf 11.035 Meter abgetaucht werden. Zwar unbemannt, dafür aber mit enormer Hightech ausgerüstet.

Piccard und Walsh mussten damals schon nach 20 Minuten wieder auftauchten, ihr UBoot hatte keine Kameras und keine Analysegeräte an Bord. Und ein japanischer Tiefseeroboter, der 1995 den Abstieg schaffte, ging verloren. Der neue mit Batterien betriebene Blechtaucher soll 38 Stunden unter Wasser verharren, filmen und messen können, bevor er an der Oberfläche wieder aufgeladen werden muss.

Neben neuen Einblicken in die Meeresbiologie der Tiefsee – Wissenschafter vermuten Hunderte bisher noch unentdeckte Pflanzen und Tiere – erhoffen sich die Forscher auch geophysikalische Erkenntnisse: Der Marianengraben zählt zu den aktivsten Erdbebenzentren der Erde. Daher soll HROV in dieser Region auch entsprechende Messsonden aussetzen. (fei, DER STANDARD, Print, 14.01.2004)

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