"Offener Umgang mit der Sucht" schafft Jobs

14. Jänner 2004, 19:02
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Erfolgreiches Kurskonzept im Grünen Kreis

Von einer Lücke im Lebenslauf, etwa wegen einer Drogentherapie, lässt sich Thomas Ramser bei Bewerbungsgesprächen nicht erschüttern. Wohl, weil der Human Ressources Manager der Firma Schöller-Bleckmann "auf Lebensläufe an sich keinen besonderen Wert legt".

Viel mehr zählt für ihn "ein persönliches, direktes Gespräch" mit dem Bewerber. Ein Gespräch, wie es in der Ternitzer Niederlassung des weltweit zweitgrößten Herstellers nahtloser Edelstahlrohre schon zu acht Einstellungen von Therapiepatienten des "Grünen Kreis" geführt hat: Jener größten gemeinnützigen Organisation Österreichs auf dem Suchtsektor, die im nahen Wechselgebiet sowie in der Steiermark zehn Drogentherapiehöfe betreibt und Ende 2003 ihr 20-Jahresjubiläum begangen hat.

Er selbst, so betont Ramser, habe den Neuen, die im Werk als "qualifizierte Maschinenbediener" arbeiten, zu einem "möglichst offenen Umgang mit der Sucht und ihrer Behandlung" geraten: "Wer schweigt, riskiert, dass es früher oder später hintenherum herauskommt": Eine Ansicht, der die Personalentwicklerin Elke Schüttelkopf nur zustimmen kann.

AMS fördert mit

Schüttelkopf, Kogeschäftsführerin der Managementtrainingsfirma Comm.pass in Wien, hat für Drogenkranke am Ende der Therapie ein spezielles Berufsorientierungskonzept entwickelt: Seit fünf Jahren weist Comm.pass den Grüne-Kreis-Patienten "Neue Wege" über insgesamt 13 Tage: Kurse sechs Mal jährlich á zwölf Teilnehmer in Zusammenarbeit mit dem niederösterreichischen Arbeitsmarktservice (AMS) - "und dass ab 2004 auch das steirische AMS mit einsteigt, ist für uns ein großer Erfolg."

Ein Erfolg mit einem konfrontativen Konzept: Um den Klienten ein wirklichkeitsnahes Bild ihrer Lage auf dem Arbeitsmarkt zu vermitteln, melden die Trainer ihre Truppe "zu Betriebsbesichtigungen gar nicht als Drogenpatienten an". Statt dessen werden alle Fragen dann live - und offenherzig - beantwortet: "Ja, wir sind Süchtige". "Ja, einige von uns haben Vorstrafen".

In manchen Betrieben, so Schüttelkopf, sei "die Sache dann eben binnen fünf Minuten gelaufen". In anderen - neben Schöller-Bleckmann fällt der Beraterin etwa auch T-Mobile, die Römertherme Baden und Möbel Leiner in Wiener Neustadt ein - entstehe hingegen gerade so eine Gesprächsbasis.

Um diese zu nutzen, müssten die Kursteilnehmer - mehrheitlich junge Männer - ein "realistisches Bild der eigenen beruflichen Zukunft" entwickeln, ergänzt Trainerin Barbara Hufnagl. Nach Schul-und Lehrabbrüchen, geplatzten Karriereträumen und Vorstrafen, weil die Sucht stärker war, seien die Therapieabsolventen nämlich meist in "depressiver Zukunftsstimmung" verhangen.

Eine Einstellung, die die Rückfallgefahr erhöhe. Es sei denn, es gelinge, Ausbildungswege aufzuzeigen und Schwellenängste zu nehmen. Auch wenn es, laut Grüner-Kreis-Vorstandsmitglied Alfred Rohrhofer, "vielen Patienten im Orientierungskurs am Anfang schwer fällt, tagelang konzentriert mitzuarbeiten". (Irene Brickner/DER STANDARD; Printausgabe, 14.1.2004)

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