Hoffnung auf Rest- Privatisierung verleiht VA-Tech-Aktie Flügel

20. Jänner 2004, 14:24
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Zwischen den Großaktionären ÖIAG und dem Investor Mirko Kovats herrscht dicke Luft

Linz/Wien - Mit wahren Kurssprüngen hat die Aktie des Linzer Anlagenbaukonzerns VA Tech in der laufenden Börsenwoche überrascht. Nachdem die Titel am Freitag noch stabil unter 27 Euro notierten, setzten sie am Montag mit Plus 10,32 Prozent (auf 29,50 Euro) zu einem Steigflug an, der sich dienstags mit Plus 7,8 Prozent auf knapp 32 Euro fortsetzte.

Über die Gründe für den Höhenflug des Konzerns, an dem die Staatsholding ÖIAG noch 15 Prozent hält, spekulieren Beobachter. Die am Montag abgegebene Kaufempfehlung der Deutschen Bank wird von Börsianern als nicht ausreichende Begründung angesehen, obwohl der Deutschen Bank exzellente Beziehungen zur ÖIAG nachgesagt werden. Ebenso wenig als "Kurs-Pusher" ausreichen würden die üppigen Auftragseingänge im Volumen von rund einer halben Milliarde Euro, die der Konzern zu Jahresende vermeldete. Außerdem zählt die VA Tech, wie alle Unternehmen mit hohen Verlustvorträgen, zu den Gewinnern der Steuerreform, sie sollte von der angekündigten Einführung der Gruppenbesteuerung ordentlich profitieren.

Übernahmefantasie

Außerdem dürften sich Investoren für eine allfällige Übernahme des Unternehmens rüsten. Gut informierte Kreise wollen nämlich wissen, dass die ÖIAG ihr 15-Prozent-Paket nicht, wie vereinbart, erst im August, sondern bereits im ersten Quartal 2004 privatisieren will. "Stimmt nicht", sagt ÖIAG-Sprecherin Viktoria Kickinger. Die Staatsholding verkaufe "sicher nicht vor August". Im Gegenteil, es gebe sogar Überlegungen, den VA-Tech-Anteil möglicherweise sogar länger zu halten.

Dahinter steckt offenbar die Angst, dass Kovats' Victory Industrie Betreiligungsholding nach Abzug der ÖIAG zum größten und damit bestimmenden VA-Tech-Einzelaktionär wird. "Der Kurssprung freut mich, ich habe allerdings weder ge- noch verkauft", versicherte VA-Tech-Investor Mirko Kovats dem STANDARD. ÖIAG-Insider wiederum wollen wissen, dass es bereits im ÖIAG-Aufsichtsrat Anfang Dezember Hinweise auf einen raschen Verkauf gegeben habe.

Kritik an Privatisierung

Hinzu kommt, dass man der ÖIAG in Regierungskreisen vorhält, bei der VA-Tech-Privatisierung ihre Sorgfaltspflicht nicht Ernst genug genommen zu haben. Die Staatsholding habe nicht den besten Käufer ausgewählt, das Käuferkonsortium zu wenig geprüft und damit beim Verkauf des 19-Prozent-Anteils der Voestalpine an der VA-Tech an Kovats das Wohl des VA-Tech-Konzerns nicht ausreichend berücksichtigt. Die ÖIAG, für die Vorstandssprecher Peter Michaelis im VA-Tech-Aufsichtsrat sitzt, weist dies zurück. Michaelis will zu Aufsichtsrat-Interna und Privatisierungsdetails prinzipiell aber keine Stellungnahme abgeben.

Um Kovats, der nach eigenen Angaben mittlerweile nur mehr knapp 16 Prozent an der VA Tech hält (der Immobilien-Investor Peter Pühringer hat seine rund drei Prozent laut Kovats wieder verkauft, der Rest auf die ursprünglich 19,05 Prozent wird der Karin-Wlaschek-Stiftung zugeordnet), auszubremsen, sei im VA-Tech-Aufsichtsrat sogar Druck auf den Industriellen ausgeübt worden, er solle sein Mandat als Aufsichtsratsvize zurücklegen, berichten Insider.

Verjährte Causa als Druckmittel

Kovats legte im Dezember, wie berichtet, den "Vize" tatsächlich zurück, allerdings "aus völlig freien Stücken", wie er dem STANDARD versicherte. Er habe wegen des geplanten Börsengangs seiner eigenen Unternehmensgruppe nicht mehr ausreichend Zeit für die aufwändige Umstrukturierung der VA Tech. Als vermeintliches Druckmittel wird in ÖIAG-Kreisen eine mittlerweile verjährte Causa kolportiert, die nun unter Androhung einer Veröffentlichung "ausgegraben" wurde.

Laut Strafrecht (§113) dürfen vollzogene oder nachgelassene Strafen einem Verurteilten allerdings nie mehr öffentlich vorgehalten werden. Mit dem Vorwurf, Kovats sei in den neunziger Jahren wegen fahrlässiger Krida verurteilt worden und müsse sich deshalb nun aus der VA Tech zurückziehen, würden sich VA-Tech-Aufsichtsratsmitglieder daher ihrerseits dem Vorwurf einer strafbaren Handlung aussetzen.
(Luise Ungerboeck, DER STANDARD, Printausgabe, 14.1.2004)

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