Uni Wien: "Mehr Mitwirkung wäre besser gewesen"

17. Jänner 2004, 16:09
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Organisationsreform sorgt für Aufregung - An der größten Uni des Landes protestiert die ÖH gegen die Beschneidung der Mitbestimmung

Hohe Wellen schlägt die vom Rektorat geplante Organisationsreform für die Universität Wien. An der größten Uni des Landes protestiert die ÖH am Mittwoch mit einer Hörerversammlung gegen die Beschneidung der studentischen Mitbestimmung – und findet Verständnis im Senat.

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Wien/Linz – Nach Straßenaktionismus mit Grabkreuzen und zertrümmerten Pappmodellen setzt die Hochschülerschaft der Uni Wien am Mittwoch auf die klassische Hörerversammlung. Auf dieser sollen die Studierenden über die Umorganisation der Uni Wien und deren Folgen informiert und weitere Proteste diskutiert werden. Maria Lettner vom Vorsitzteam der ÖH Wien hält im Standard-Gespräch eine Verschärfung der Aktionen für möglich. Ein Streik sei aber unwahrscheinlich und nicht zielführend, weil er „nur auf Unverständnis bei den Studenten stoßen würde“. Die Protestaktion richtet sich gegen die von Georg Winckler geplante Organisationsreform.

Statt bisher sieben (ohne Medizin) soll es künftig 18 Fakultäten ohne vorgegebene Institutsgliederung geben. Die Hierarchie ist damit nur noch zweistufig (Rektor und Fakultäten). Die ÖH stößt sich vor allem am Mangel demokratischer Mitbestimmungsmöglichkeit durch die Studenten. So musste sich Winckler eine „Diktatur des Rektorats“ vorwerfen lassen.

Dem STANDARD sagte Winckler, sein „erklärtes Ziel“ sei die Einbindung der ÖH-Ideen. Er schlägt neben der Einbindung im Senat die „Einrichtung von Beiräten auf der Ebene der Studienrichtungen, in denen die Studierenden Gerhard Clemenz, Senatsvorsitzender der Uni Wien, rechnet für die am Donnerstag geplante Beschlussfassung mit einem knappen Ergebnis.

Die Grundprobleme des neuen Organisationsplans bestünden weiter – etwa die Frage nach zusätzlich benötigten Ressourcen an den neuen Fakultäten oder die noch immer unkonkreten Inhalte der Zielvereinbarungen.

Die Kritik der Studierenden versteht Clemenz: „Etwas mehr an Mitwirkung – auch des administrativen Personals – wäre besser gewesen.“ Das meint auch der Chef der Bundes-ÖH, Ralph Schallmeiner: „Der Organisationsplan Wincklers ist der Auswuchs, den wir immer befürchtet haben.“ Man unterstütze „selbstverständlich die Studierenden an der Uni Wien“.

Er will „schauen, ob Winckler an den Plänen festhält“. Anders ist die Situation an der Uni Linz. Man habe bei der Organisationsreform, die derzeit „völlig anderes Konzept gewählt. Nicht so radikal wie das der Uni Wien“, sagt Rektor Rudolf Ardelt im STANDARD-Gespräch.

Daher gebe es eine „große Akzeptanz der Betroffenen“ – auch der Studierenden. So sind die beratenden Beiräte zur Studienverwaltung und Lehrangebotsorganisation zur Hälfte mit Studierenden besetzt.

Linz setzt auf Institute

Generell setzt man an der Linzer Uni auf „relativ kleine Einheiten der Institute, die überschaubar sind und in denen die Verantwortung klar zurechenbar ist“, sagt Ardelt. Neben einer „relativ schwach ausgeprägte Fakultätsebene“ gibt es aber eine „Kooperationsverbund-Ebene“, die budgetär gefördert wird.

Institute, die sich um disziplinübergreifende Zusammenarbeit bemühen, profitieren nicht nur finanziell, sondern können mit diesem Verbundmodell auch flexibler. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 14.1.2004)

  • Aufschrei an der ÖH Uni Wien: Die Studierenden wollen bei der Organisationsreform ihrer Uni mehr mitreden.
    montage: derstandard.at

    Aufschrei an der ÖH Uni Wien: Die Studierenden wollen bei der Organisationsreform ihrer Uni mehr mitreden.

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