Pleite für ÖSV-Damen in Cortina

18. Jänner 2004, 11:37
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Genevieve Simard aus Kanada gewinnt im Super G vor den Deutschen Riesch und Gerg - ÖSV-Damen Götschl und Wirth gemeinsam am 7. Platz

Cortina d'Ampezzo - Mit einem Überraschungssieg der Frankokanadierin Genevieve Simard und einer schweren Niederlage der ÖSV-Damen haben am Mittwoch die Speed-Weltcup-Rennen in Cortina d'Ampezzo begonnen. Simard, zuvor als Dritte des Riesentorlaufs am 19. Jänner 2002 in Berchtesgaden erst ein Mal im Weltcup auf dem Podest, setzte sich im ersten von zwei Super G auf der Tofana klar vor den beiden Deutschen Maria Riesch (+0,65 Sek.) und Hilde Gerg (+0,78) durch. Als beste Österreicherinnen landeten Renate Götschl und Katja Wirth (je +1,29) ex aequo nur auf Rang sieben.

"Keine Erklärung für dieses Ergebnis"

Während die 23-jährige Simard den ersten kanadischen Triumph seit dem 26. Februar 2000, als Melanie Turgeon den Super G auf dem Patscherkofel bei Innsbruck gewonnen hatte, fixierte, stand in dieser Saison erstmals keine ÖSV-Läuferin im Super G auf dem Podest. Dies lag aber nicht nur an teilweise fehlerhaften Fahrten der Österreicherinnen, sondern auch am Warmwettereinbruch mit starkem Fön-Wind im unteren Teil, der für unterschiedliche Bedingungen sorgte.

"Ich habe keine Erklärung für dieses Ergebnis. Es muss etwas mit der Piste gewesen sein, denn ich hatte eine fehlerfreie Fahrt, und auch der lädierte Daumen hat mich nicht sonderlich behindert", rätselte Lake-Louise-Siegerin Götschl, warum sie ebenso wie die anderen Spitzenläuferinnen im oberen Teil extrem viel Zeit auf Simard verloren hatte. Die Steirerin, die wegen einer Subluxation und einer Bänderzerrung im Grundgelenk mit einem getapten linken Daumen antrat, hofft nun auf Kälte in den kommenden Tagen, "damit hier in den restlichen drei Rennen höhere Startnummern kein Nachteil sind". Im Weltcup hat Götschl ihren Rückstand auf die führende Schwedin Anja Pärson, die zum Cortina-Auftakt 20. wurde, etwas verringert und liegt nun 154 Punkte hinter der Slalom-Spezialistin.

Dorfmeister verlor Führung im Super G-Weltcup

Weltmeisterin Michaela Dorfmeister, deren Start wegen einer Mittelohrentzündung bis zuletzt gewackelt hatte, kam nicht über Rang 25 hinaus und verlor damit ihre Führung im Spezialweltcup an Veysonnaz-Siegerin Gerg. "Das kann nicht normal sein, dass ich im oberen Teil mehr als eine Sekunde auf Simard verliere. Das muss daran gelegen sein, dass die Piste weicher geworden ist und zu saugen begonnen hat", meinte die Niederösterreicherin, die zuvor in diesem Winter im Super G (Zweite in Lake Louise, Dritte in Megeve und Zweite in Veysonnaz) stets auf dem Podest gestanden war.

Auch Gergs Analyse klang ähnlich: "Nichts gegen die Leistung von Simard, aber da muss 'was mit der Piste gewesen sein, denn ich habe die ganze Zeit bereits im oberen Teil verloren." Und Ex-Junioren-Weltmeisterin Riesch, die so wie Simard im Super G erstmals den Sprung aufs Podest schaffte, gestand: "Ich habe von den besseren Pistenverhältnissen bei den niederen Startnummern profitiert."

Zufriedene Wirth

Gleiches galt für Wirth, die sich mit Platz sieben zwar "sehr zufrieden", aber von diesem Ergebnis auch "überrascht" zeigte. "Ich habe nämlich gleich mehrere Fehler gemacht", erklärte die Vorarlbergerin, die sich nun für den Super G am Freitag und die beiden Abfahrten am Wochenende viel vorgenommen hat. "Bei einer fehlerlosen Fahrt sollte für mich ein Top-Fünf-Rang möglich sein."

Megeve-Siegerin Alexandra Meissnitzer beklagte ebenfalls eine fehlerhafte Fahrt, mit der sie am Ende auf Platz zwölf landete. "Mit der Piste muss etwas passiert sein durch die Sonneneinstrahlung und Wärme. Das kann aber keine Ausrede für meine Leistung sein, denn ich habe einige Fehler begangen. Und wie Gerg gezeigt hat, konnte man auch mit einer hohen Startnummer noch aufs Stockerl fahren", sparte die Salzburgerin nicht mit Selbstkritik.

Simard: "Ski perfekt gelaufen"

Simard hatte im Gegensatz zu den Österreicherinnen allen Grund zur Freude. "Als ich durchs Ziel gefahren bin, hatte ich schon ein gutes Gefühl. Meine Ski sind vor allem im oberen Teil perfekt gelaufen", erklärte die am 5. November 1980 in Montreal geborene und in Val-Morin/Quebec lebende Kanadierin, die bei 1,68 m 70 kg auf die Waage bringt. "Natürlich ist das ein Schlüsselerlebnis in meiner Karriere, aber hoffentlich kommt da noch mehr in dieser Art."

Doch bereits mit diesem Resultat hat Kanadas Team die Bilanz der abgelaufenen Saison bei weitem übertroffen: Mit Platz drei von Turgeon im zweiten Super G in Cortina hatte die gesamte Alpin-Mannschaft (Damen und Herren) 2002/03 nur einen einzigen Podestplatz eingefahren. (APA)

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    Genevieve Simard auf dem Schnellsten Weg ins Tal.

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