Weltsozialforum will indisches Kastensystem anprangern

16. Jänner 2004, 20:45
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Gruppe der Dalit immer noch Diskriminierungen ausgesetzt

Bombay - Jede Diskriminierung auf Grund der Zugehörigkeit zu einer Kaste ist in Indien seit mehr als 50 Jahren verboten. Dennoch zählt die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch jedes Jahr mehr als 100.000 Übergriffegegen Dalits, die Angehörigen der untersten Kaste.

Das Kastensystem ist deshalb einer der fünf großen Themenkomplexe des Weltsozialforums, das am Freitag in Bombay beginnt. 138 Millionen Inder zählen zu den Dalits, weitere 68 Millionen gehören Stämmen an, die mit einem ähnlichen Stigma belegt sind. Die hinduistische Tradition verbietet den Dalits jeden Kontakt mit höheren Kasten.

"Unberührbare"

Ginge es nach den Erzkonservativen, dürften sie nicht einmal auf denselben Plätzen im Bus sitzen wie zum Beispiel Brahmanen. "Unberührbare" hießen die Mitglieder der untersten Kaste deshalb lange Zeit. "Unterdrückte" nennen sie sich selbst. Großer Vorkämpfer für die Gleichberechtigung der Kasten war der Führer der indischen Unabhängigkeitsbewegung, Mahatma Gandhi.

"Unberührbarkeit ist abgeschafft und ihre Praxis jeder Art ist verboten", hieß es im dem Verfassungsentwurf, der wenige Tage nach Gandhis Ermordung 1948 veröffentlicht wurde. Ein Jahr später wurde die Diskriminierung Angehöriger niedriger Kasten endgültig verboten.

Einigen Dalits gelang seither auch der soziale Aufstieg. Prominentestes Beispiel ist K. R. Narayanan, der von 1997 bis 2002 Präsident Indiens war. Dennoch verschweigen viele Dalits zum Beispiel bei der Bewerbung um einen Arbeitsplatz lieber ihre Kastenzugehörigkeit.

Seit Anfang Dezember versucht die Nationale Kampagne für die Menschenrechte der Dalits im ganzen Land auf die immer noch alltägliche Benachteiligung aufmerksam machen. Höhepunkt der Aktion wird das Weltsozialforum sein. Dort wollen die Dalits versuchen, sich mit unterdrückten Minderheiten aus anderen Ländern zusammenzuschließen. (APA)

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