Mehr mediales "Fingerspitzengefühl" gewünscht

21. Jänner 2004, 16:07
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"Medien und Kriminalpsychologie" - Kriminalpsychologe Müller: "Zusammenarbeit mit Medien notwendig"

Den in Krimiserien gebrauchten Ausdruck "Täterprofil" hält er für dubios, zielführende "Tatort-Profile" hingegen hat er nicht nur im spektakulären Fall des Bombenlegers Franz Fuchs erstellt: Die Rede ist vom Tiroler Thomas Müller, dem über die Grenzen Österreichs anerkannten Leiter des Kriminalpsychologischen Dienstes im Innenministerium. Auf Einladung der Landesgruppe Vorarlberg des Kuratoriums Sicheres Österreich (KSÖ) und des Presseclubs Vorarlberg sprach Müller am gestrigen Montagabend in Bregenz über "Medien und Kriminalpsychologie".

Thomas Müller versuchte die Dimensionen zurechtzurücken und warnte vor überzogenen Erwartungen in sein Metier: "Der Kriminalpsychologische Dienst löst keine Fälle, er ist jedoch wie etwa die DNA-Analyse ein zusätzliches wichtiges Hilfsmittel für die kriminalpolizeiliche Ermittlungsarbeit. Ich kann keinen Fall klären." Die Kriminalpsychologie betreibe nicht Ver-Urteilung, sondern vielmehr Be-Urteilung von Verbrechern und deren Taten.

Hilfe von Medien

Tatortanalysen würden zahlreiche Hinweise auf den oder die möglichen Täter und wichtige Ermittlungsansätze geben. Daraus könne er nicht selten ableiten, ob - unter Umständen mit Hilfe von Medien - eine "Stress-Strategie" gegenüber dem persönlich meist noch unbekannten Täter angebracht ist oder im Gegenteil Deeskalation.

Zusammenarbeit "absolut notwendig"

Die Zusammenarbeit mit Medien sei in vielen Fällen "absolut notwendig", räumte Müller ein, wünscht sich aber aus Erfahrung - nicht nur im spektakulären Fall Fuchs - mehr "Fingerspitzengefühl" mancher Medien. Für Ermittler und/oder Kriminalpsychologen sei der Schritt in die Öffentlichkeit nicht selten ein gefährlicher Hochseilakt. Das Dogma der Kriminalistik sei bewährt: "Sage den Medien nur das, was du dem Täter sagen willst." (APA)

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    Thomas Müller: "Zusammenarbeit mit Medien notwendig"

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