Training: Bestzeit für Maria Riesch

17. Jänner 2004, 11:25
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Götschl beim Probelauf für die Abfahrt in Cortina am Sonntag Zweite - Schwerer Sturz der Schweizerin Tamara Müller mit Bänderrissen und Brüchen

Cortina d'Ampezzo - Der schwere Sturz der Schweizerin Tamara Müller hat am Donnerstag das Abfahrts-Qualifikationstraining der Damen in Cortina überschattet. Das ohnehin vom Wind beeinflusste Training von der Tofana musste deshalb für längere Zeit unterbrochen worden. Schon davor hatte die junge Deutsche Maria Riesch hauchdünn und vier Hundertstel vor Renate Götschl Bestzeit für die Abfahrt am Samstag erzielt. Schon am Freitag im zweiten Super G (10:30) wollen sich Götschl und Co aber für die "Niederlage" vom Mittwoch revanchieren.

Windlotterie

"Die Zeiten soll man nicht so ernst nehmen", relativierte Götschl wegen des ständig drehenden Windes die Trainings-Ergebnisse. Trotzdem war die steirische Speed-Queen mit Abstand beste der Österreicherinnen, die mit Michaela Dorfmeister (7.) nur eine weitere in die Top-Ten brachten. Dass Götschl am Samstag nun mit der hohen Startnummer 29 starten muss, ließ sie relativ kalt. "So etwas wie Mittwoch hat es noch nie gegeben, außerdem kann sich das Wetter in zwei Tagen ganz anders sein", erklärte Götschl, warum sie im Training nicht geblufft hatte und auf eine niedrigere Nummer gefahren war.

Dorfmeister auf der Suche nach Erklärungen

Götschl bezog sich auf den Mittwoch-Super-G, wo die Läuferinnen mit höheren Nummern keine Chance mehr gehabt hatten. Während sich Götschl, die trotz einer fehlerfreien Fahrt nur Siebente geworden war, auch damit angeblich nicht mehr viel befasst hat, hat Michaela Dorfmeister die Niederlage (Platz 25) ausführlich analysiert. "Die Ski haben sich wegen der Sonneneinstrahlung in den Querfahrten eingegraben. Man ist deshalb förmlich bergauf gefahren", so die Erkenntnis der Niederösterreicherin.

Tiefdruck

Für die kommenden Tage und Rennen ist aber über Cortina bedeckter Himmel angesagt, also sollte sich dieses seltene Phänomen auf der Tofana (Götschl: Normalerweise wird es hier immer schneller je länger das Rennen dauert") nicht wiederholen. "Und wenn, werden wir darauf reagieren", so Dorfmeister.

Götschl: "Podestplätze sollten her"

Zunächst steht aber der zweite Super G am Freitag auf dem Programm und da wollen Götschl und Co den Mittwoch-Flop vergessen lassen. Für Götschl geht es ja auch darum, in den verbliebenen drei Speed-Rennen in Cortina endlich entscheidende Punkte auf Anja Pärson wett zu machen. "Und da sollten schon Podestplätze her. Sowas wie Mittwoch bringt nichts, weil Pärson ja auch in den schnellen Bewerben regelmäßig in die Top-30 fährt", weiß Götschl.

Meissnitzer mit Fehlern

Auch Alexandra Meissnitzer wurde im Training vom Wind "verblasen", bis zur Zwischenzeit lag sie hervorragend im Rennen. "Ich bringe derzeit einfach keine fehlerfreie Fahrt runter", so Meissnitzer.

Saisonende für Tamara Müller

Pechvogel des Tages war Tamara Müller. Die Schweizerin hat bei ihrem schweren Sturz Bänderrisse in beiden Knien erlitten. Die 26-Jährige riss sich das vordere Kreuzband und die Außenbänder im linken Knie sowie ein Innenband im rechten Knie. Dazu besteht der Verdacht auf eine Schienbeinplateau-Fraktur im rechten Bein. Im linken Daumen wurden außerdem zwei Brüche diagnostiziert, von denen einer operativ behandelt werden muss.

Auslöser des fatalen Sturzes war ein Verschneider mit dem linken Ski. Tamara Müller ging zu Boden, wurde bei der folgenden Kuppe abgehoben und flog danach hoch durch die Luft. Sie blieb vorerst benommen liegen, wurde dann im Rettungsschlitten zu Tal gefahren und ins Spital in Cortina gebracht, wo Untersuchungen den niederschmetternden Befund brachten. Müller wurde noch am Donnerstag in die Schweiz geflogen.

Schlechte Erinnerungen

Schon die Saison 2002/03 war für die Eidgenossin in Cortina vorzeitig zu Ende gegangen. Bei einem ebenfalls schweren Sturz hatte sie sich damals das rechte Schlüsselbein gebrochen - drei Tage, nachdem ihr im Super-G mit Rang vier das bisher beste Ergebnis ihrer Karriere gelungen war. (APA)

Zweites Training in Cortina d'Ampezzo:

 1. Maria Riesch (GER)         1:32,99
 2. Renate Götschl (AUT)        + 0,04
 3. Isolde Kostner (ITA)          0,49
 4. Hilde Gerg (GER)              0,56
 5. Lindsey Kildow (USA)          0,63
 6. Daniela Ceccarelli (ITA)      0,65
 7. Michaela Dorfmeister (AUT)    0,67
 8. Kelly Vanderbeek (CAN)        0,69
 9. Emily Brydon (CAN)            0,74
10. Catherine Borghi (SUI)        0,83
    weiter:
13. Alexandra Meissnitzer (AUT)   1,23
21. Kathrin Wilhelm (AUT)         1,54
32. Brigitte Obermoser (AUT)      1,84
40. Ingrid Rumpfhuber (AUT)       2,33
45. Tanja Schneider (AUT)         2,97
48. Katja Wirth (AUT)             3,14
49. Martina Lechner (AUT)         3,41
53. Silvia Berger (AUT)           3,94

Nicht im Ziel: Tamara Müller (SUI), Genevieve Simard (CAN)

Erstes Training in Cortina d'Ampezzo:

 1. Ingrid Jacquemod (FRA)     1:33,35
 2. Carole Montillet (FRA)      + 0,02
 3. Martina Ertl (GER)            0,33
 4. Sylviane Berthod (SUI)        0,48
 5. Alexandra Meissnitzer (AUT)   0,59
 6. Isolde Kostner (ITA)          0,80
 7. Hilde Gerg (GER)              0,84
 8. Melanie Suchet (FRA)          0,96
 9. Renate Götschl (AUT)          1,01
10. Chimene Alcott (GBR)          1,23
11. Michaela Dorfmeister (AUT)    1,33
    weiter:
21. Brigitte Obermoser (AUT)      2,11
27. Anja Pärson (SWE)             2,29
36. Tanja Schneider (AUT)         2,78
41. Katja Wirth (AUT)             3,04
42. Silvia Berger (AUT)           3,06
47. Kathrin Wilhelm (AUT)         3,38
49. Ingrid Rumpfhuber (AUT)       3,46
56. Martina Lechner (AUT)         4,35
  • Bild nicht mehr verfügbar

    Renate Götschl auf dem Weg nach oben.

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