Nolde-Fälscher vor Gericht

18. Jänner 2004, 21:22
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Freitag beginnt der Prozess gegen den 50-Jährigen, der auch an das Dorotheum Aquarelle verkaufte

München - Mit gefälschten Aquarellen von Emil Nolde soll ein deutscher Kaufmann vor drei Jahren renommierte Galerien im deutschsprachigen Raum um sechsstellige Euro-Beträge betrogen haben. Der Ende 2002 in Deutschland verhaftete mutmaßliche Bilderschwindler muss sich ab Freitag (16. Jänner) vor dem Landgericht München I verantworten.

Selbst Experten hielten Falsifikate für echt

Der 50-jährige Gerhard P. hatte sich auf Noldes Aquarelle spezialisiert, die nur mit Expertisen von der Nolde-Stiftung Seebüll bei Neukirchen (Schleswig-Holstein) ausgestellt werden. Der Verhaftung in Augsburg am 11. Dezember 2002 waren aufwändige Ermittlungen in Wien und Westösterreich vorausgegangen. Die Falsifikate waren so perfekt, dass sie auch von Experten für echt gehalten wurden. Zunächst waren 13 Bilder mit einer geschätzten Schadenssumme von drei Millionen Euro sichergestellt worden. Gerhard P. war im Jahr 2001 schon einmal in Zürich verhaftet, aber wieder auf freien Fuß gesetzt worden - und setzte seine Geschäfte fort.

Falsche Sonnenblumen

Zudem war der Verdächtige in Wien aktiv. So soll er im Jahr 2001 mit zwei Aquarellen plus den ebenfalls gefälschten Expertisen im Dorotheum vorstellig geworden sein. Für Noldes "Gelbe Sonnenblumen" und "Tiefstehende rote Sonne über blauem See" legte er die Expertisen vor und kassierte einen Vorschuss von 32.700 Euro. Da mittlerweile aber ein Gutachten der Nolde-Stiftung vorlag, fiel er um den Restbetrag von 90.800 Euro um. Damit wurde der Fall ins Rollen gebracht.

Galerist in Westösterrich zählt zu den Geneppten

Ermittler in Wien machten weiters einen Galeristen in Westösterreich ausfindig, der ebenfalls zu den Opfern des Kunstfälschers zählte. Dort wurden vier Aquarelle verkauft. Vom Landesgericht Wien wurde schließlich ein Steckbrief gegen Gerhard P. erlassen. Die deutschen Behörden setzten ihn dann fest.

Angeklagter bezeichnete sich selbst als Opfer

Im Zuge der Ermittlungen tauchten zwei Fragen auf: Hatte der Verdächtige einen Komplizen bzw. wer war der eigentliche Fälscher? Und: Befinden sich weitere Fälschungen in Umlauf? Gerhard P. und allfällige Mittäter waren seit Jahren aktiv. Experten gingen daher davon aus, dass neben den 13 sichergestellten noch weitaus mehr Aquarelle gefälscht und verkauft wurden. Zur Frage des Komplizen verantwortete sich der Angeklagte damit, selbst Opfer gewesen zu sein. Die Aquarelle wollte er von einem Franzosen zur Abgeltung finanzieller Forderungen erhalten haben. Bei dieser Darstellung ist er im Wesentlichen geblieben, hieß es bei der Staatsanwaltschaft München. (APA/dpa)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Diese gelben Sonnenblumen sind echt: Noldes "Sonnenblumen I" wurde im Jänner 2003 bei Christies's London versteigert.

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