Sharon wegen Wahlkampf-Affäre unter Druck

15. Jänner 2004, 19:17
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Opposition verlangt seinen Rücktritt - Ex-Berater veröffentlichte Tonbandaufnahme

Jerusalem - Die israelische Linksopposition fordert den Rücktritt von Ministerpräsident Ariel Sharon wegen der Affäre um die undurchsichtige Finanzierung seines innerparteilichen Likud-Wahlkampfes im Jahr 1999. Der Fraktionschef der Arbeiterpartei im Parlament, Ofir Pines, und der Meretz-Abgeordnete Ran Cohen erklärten am Dienstag in Jerusalem, Sharon könne nicht länger an der Spitze der Regierung bleiben, ohne das wichtige Amt zu beschädigen. Sie reagierten damit auf die Veröffentlichung eines von Sharon früherem Berater David Spector aufgenommenen Tonbands durch das Zweite Israelische Fernsehen am Montagabend.

Premier wusste über die Affäre Bescheid

Die Tonbandaufzeichnung kompromittiert nicht nur Sharons Sohn Omri, sondern erbringt nach Darstellung Spectors den Beweis, dass der heutige Premier über alle Einzelheiten der Affäre genau im Bilde gewesen war.

Wahlkampffinanzierung

In dem Korruptionsskandal spielt ein illegales Darlehen des südafrikanischen Geschäftsmanns Cyril Kern eine wichtige Rolle, das über ein Konto in Österreich zurückgezahlt wurde. Das Darlehen soll dazu bestimmt gewesen sein, den innerparteilichen Wahlkampf Sharons 1999 zu finanzieren. Sharon hatte sich damals in seiner Likud-Partei gegen den seinerzeitigen Ministerpräsidenten Benjamin Netanyahu durchgesetzt. Die israelische Opposition hatte von der Regierung im vergangenen Herbst auch Auskunft darüber verlangt, ob die Wiederherstellung vollwertiger diplomatischer Beziehungen zu Wien mit geschäftlichen Kontakten der Familie Sharon in Zusammenhang stehe.

Botschafter in Österreich

Die Fraktion der Arbeiterpartei hatte eine dringliche Anfrage an Sharon und an Außenminister Silvan Shalom gerichtet, um in Erfahrung zu bringen, ob die Regierung der Entsendung eines israelischen Botschafters nach Wien im "Tausch" für die österreichische Weigerung zugestimmt habe, in Sachen Sharon-Wahlkampf-Spendenaffäre Untersuchungen anstellen zu lassen. (APA)

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