"Zwanzigeins" statt "einundzwanzig"

19. Jänner 2004, 17:52
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Deutscher Mathematikprofessor fordert Sprachreform

Bochum - Die Engländer und Engländerinnen sagen "twentyone" (zwanzigeins), in Frankreich ist "vingt et un" (zwanzig und eins) zu hören. Im deutschsprachigen Raum werden die Zahlen in der Aussprache umgedreht: "einundzwanzig". Mit dem verdrehten Zahlenaussprechsystem, das Schüler und Schülerinnen ebenso wie Deutschlernende benachteilige, beschäftigt sich Prof. Dr. Lothar Gerritzen an der Fakultät für Mathematik der Ruhr-Universität Bochum.

Gerritzen fordert eine Reform der deutschen Zahlenaussprechweise, indem die "unverdrehte" Aussprache der Zahlen in den Wortschatz übernommen wird. Auf seine Initiative findet am 19. Januar an der Ruhr-Universität Bochum ein fachübergreifendes Kolloquium über "Das deutsche Zahlenaussprechsystem" statt.

Gründe für geforderte Reform

Der Bochumer Mathematiker will das deutsche Zahlenaussprechsystem nicht revolutionieren, sondern reformieren: "Unser Sprachgebrauch muss sich um die unverdrehte Variante erweitern: Es sollte möglich sein, zum Beispiel im Unterricht das englische 'twentyone' einfach in 'zwanzigeins' zu übersetzen." Aus zwei Gründen hält Gerritzen dies für erforderlich. Zum einen aus didaktischer Sicht: "Es ist nicht auszuschließen, dass deutsche Schüler einen Nachteil im internationalen Vergleich haben", so Gerritzen mit Blick auf die PISA-Studie. Zum anderen aus wirtschaftlicher Sicht: "In der Kommunikation besteht die Gefahr von Verwechselungen und Fehlern, zum Beispiel, wenn mir jemand Zahlen am Telefon durchgibt. Es ist nicht leicht, den wirtschaftlichen Schaden zu beziffern, der daraus entsteht - aber das könnte man empirisch untersuchen."

"Ein Anfang"

"Unser Kolloquium ist nur ein Anfang, um das Problem ins Bewusstsein der Bildungspolitiker zu rücken", sagt Gerritzen. Langfristiges Ziel sei, dass der Schulunterricht geändert werde. Lothar Gerritzen will die Beschäftigung mit dem deutschen Zahlenaussprechsystem weiter vertiefen: Denkbar seien etwa weitere Veranstaltungen und eine Dokumentation des kommenden Kolloquiums als Arbeits- und Diskussionsgrundlage für Politiker und Politikerinnen. (red)

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    grafik: derstandard.at
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