Garmisch-Abfahrt: Hermann Maier holt 26. Weltcup-Sieg

30. Jänner 2000, 13:20

Der "Herminator" und Ghedina in einer anderen Klasse - Klammer-Rekord eingestellt


Hermann Maier frute sich über den Sieg auf der "schwierigsten" Strecke der Saison.
Garmisch-Partenkirchen - Hermann Maier schreibt von Wochenende zu Wochenende neue Ski-Geschichte und neue Ski-Geschichten: In Garmisch-Partenkirchen stellte der "Herminator" in der Abfahrt am Samstag mit seinem 26. Weltcup-Sieg den Rekord von Franz Klammer ein und ist damit zusammen mit "Kaiser Franz" Österreichs erfolgreichster Ski-Rennläufer im Weltcup. Maier gewann an jenem Ort, an dem am 23. Februar 1997 mit seinem ersten Erfolg im Super G die Erfolgsstory Maier begann, in 1:55,77 Minuten 0,32 Sekunden vor Kristian Ghedina, der Dritte Hannes Trinkl lag bereits 1,28 Sekunden zurück.

Famose Leistung der ÖSV-Herren

Rund um die Rekordjagd des Hermann Maier, die nun einen weiteren Höhepunkt erreicht hat, ging beinahe eine weitere famose Leistung der ÖSV-Herren unter, die einmal mehr eine Abfahrts-Demonstration lieferten und gleich acht Läufer in die Top Ten brachten. Dabei kam Josef Strobl (4.), Werner Franz (5.), Stephan Eberharter (6.), Fritz Strobl (7.), Andreas Schifferer (8.) und Hans Knauß (10.) aber auch die Wahl der niedrigen Startnummer zu Gute. Denn die Kandahar-Piste präsentierte sich in extrem schwierigen Zustand: Warmwetter hatte sie schneller gemacht, dazu kam aber im vergleich zum Training schlechte Sicht durch diffuses Licht, das die Schläge kaum erkennen ließ. Zudem bremste aufkommender Wind die Läufer mit höheren Nummern.

Aber auch ohne Sonne wurde Garmisch überstrahlt von Hermann Maier. Er ließ sich auch durch eine schwere Erkältung, die ihn am Freitag auch vom Besuch der Startnummernauslosung abgehalten hatte, nicht stoppen. Es waren einfach seine Bedingungen. Und der 27-Jährige war mit seiner Fahrt auch vollauf zufrieden: "Diese Abfahrt war die schwerste des Winters. Es war unmöglich, ohne Fehler herunterzukommen. Zudem musste ich mir die Fahrt wegen meiner Erkältung einteilen. Ich habe von oben bis unten wahnsinnig gekämpft, aber es ist sich ausgegangen."

Klammer-Rekord war "Frage der Zeit"

Den Rekord nahm Maier eher auf die leichte Schulter. "Klammer hat seine Siege in nur einer Disziplin erreicht, ich fahre drei. Also war es für mich nur eine Frage der Zeit, bis ich ihn breche. Das Ganze hat einen Vorteil: Endlich fragt mich keiner mehr danach. Und sollte ich am Sonntag auch noch den Super G gewinnen, dann habe ich den Rekord überhaupt für mich und die Geschichte ist vorbei!"

Beeindruckende Leistung

Auch wenn es für Maier "nur" eine Frage der Zeit gewesen ist, seine Leistung ist mehr als beeindruckend: In nicht einmal zwei Jahren schaffte der Pongauer den Sprung vom Nichts zum Superstar, 26 Weltcup-Siege in dieser Zeit sprechen eine deutliche Sprache. Kleines Detail: Mit nunmehr 1.410 Punkten steuert Maier mit Riesenschritten auf seinen zweiten Erfolg im Gesamt-Weltcup hin, Kjetil Andre Aamodt liegt bereits 430 Punkte zurück.

Auch Ghedina sehr stark

Lob fand der Dominator vor allem für Kristian Ghedina: "Es waren nicht seine Verhältnisse, aber er ist wahnsinnig gefahren. Was er in den Kurven riskiert hat, war unglaublich." Der Italiener nahm das Lob zwar wohlwollend zur Kenntnis, gestand aber: "Mir wird langsam schwindlig vor lauter Österreichern. Ich fahre die beste Saison meiner Karriere, aber ein Mal ist es Maier, dann Trinkl, dann Pepi Strobl, dann Fritz Strobl - einer ist immer vor mir! Aber ich hoffe nach wie vor auf den Abfahrts-Weltcup, das Duell mit Hermann ist noch nicht entschieden!"

Trinkl zufrieden

Seine gute Form unterstrich auch Hannes Trinkl als Dritter - und das, obwohl ihm die Schrecksekunde vom Vortag, als er in der Hölle fast gestürzt war, noch immer in den Knochen steckte. "Deshalb bin ich nicht mit letztem Risiko gefahren. So gesehen ist der dritte Platz für mich wie ein Sieg!"

Eberharter verunsichert

Probleme plagen Stephan Eberharter, der hinter Pepi Strobl (der Wengen-Sieger landete wieder in den Top 5) und Werner Franz auf Rang sechs kam. "Ich habe mir mein in Kitzbühel lädiertes Knie wieder verletzt, konnte nur unter starken Schmerzen zuende fahren. Aber wenn es nicht schlimmer wird, probiere ich es im Super G am Sonntag!" Soferne der überhaupt stattfindet, denn die Wetterprognosen verheißen starken Regen.


Ergebnisse von der Weltcup-Abfahrt der Herren in Garmisch-Partenkirchen vom Samstag:

1. Hermann Maier AUT 1:55,77 107.437 km/h

2. Kristian Ghedina ITA 1:56,09 +0,32 + 9.52 m

3. Hannes Trinkl AUT 1:57,05 +1,28 + 37.78 m

4. Josef Strobl AUT 1:57,15 +1,38 + 40.70 m

5. Werner Franz AUT 1:57,53 +1,76 + 51.74 m

6. Stephan Eberharter AUT 1:57,56 +1,79 + 52.61 m

7. Fritz Strobl AUT 1:58,19 +2,42 + 70.74 m

8. Kenneth Sivertsen NOR 1:58,32 +2,55 + 74.46 m

. Andreas Schifferer AUT 1:58,32 +2,55 + 74.46 m

10. Hans Knauß AUT 1:58,36 +2,59 + 75.60 m

11. Patrik Järbyn SWE 1:58,42 +2,65 + 77.32 m

12. Kjetil-Andre Aamodt NOR 1:58,57 +2,80 + 81.59 m

. Fredrik Nyberg SWE 1:58,57 +2,80 + 81.59 m

14. Peter Runggaldier ITA 1:58,92 +3,15 + 91.52 m

15. Ed Podivinsky CAN 1:59,03 +3,26 + 94.63 m

16. Luca Cattaneo ITA 1:59,07 +3,30 + 95.75 m

17. Kurt Sulzenbacher ITA 1:59,26 +3,49 +101.11 m

18. Christian Greber AUT 1:59,34 +3,57 +103.35 m

19. Luke Sauder CAN 1:59,36 +3,59 +103.92 m

20. Jürg Grünenfelder SUI 1:59,39 +3,62 +104.76 m

21. Alessandro Fattori ITA 1:59,82 +4,05 +116.78 m

22. Claude Cretier FRA 1:59,98 +4,21 +121.23 m

23. Daron Rahlves USA 2:00,06 +4,29 +123.45 m

24. Pierre-Emmanuel Dalcin FRA 2:00,21 +4,44 +127.61 m

25. Darin Mcbeath CAN 2:00,23 +4,46 +128.17 m

26. Kevin Wert CAN 2:00,79 +5,02 +143.59 m

27. Audun Grönvold NOR 2:00,86 +5,09 +145.51 m

28. Florian Eckert GER 2:01,81 +6,04 +171.32 m

29. Steve Locher SUI 2:01,89 +6,12 +173.47 m

30. Max Rauffer GER 2:01,96 +6,19 +175.36 m

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