Erneut Hubschauber abgeschossen

14. Jänner 2004, 18:52
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Vier Menschen bei neuer Gewalt getötet - Zusammenstöße bei Protestkundgebungen in Al Kut

Al Kut/Bagdad/Kairo/Tikrit - Aufständische haben am Dienstag in der Umgebung der westirakischen Stadt Falluja zum dritten Mal seit Jahresbeginn einen US-Militärhubschrauber abgeschossen. Nach Angaben einer amerikanischen Militärsprecherin in Bagdad überlebten die zwei Soldaten an Bord des "Apache"-Helikopters und konnten in Sicherheit gebracht werden.

Erste Untersuchungsergebnisse deuteten darauf hin, dass der Hubschrauber vom Boden aus beschossen wurde, sagte eine Sprecherin des US-Militärkommandos in Bagdad. Die Sprecherin vermochte nicht zu sagen, ob die beiden Piloten verletzt wurden. Der Hubschrauber stürzte auf ein Feld. Augenzeugen sagten Al Jazeera, der Helikopter habe nach dem Beschuss mit einer Rakete Feuer gefangen und sei brennend zu Boden gestürzt. Ein zweiter US-Hubschrauber, der ihn beleitete, sei unbeschädigt geblieben.

Am vergangenen Donnerstag waren alle neun US-Soldaten an Bord eines Sanitätshelikopters ums Leben gekommen, der bei Falluja von einem Geschoss getroffen worden war. Anfang des Monats wurde dort ein "Kiowa"-Aufklärungshubscrauber abgeschossen, einer der Piloten wurde getötet. Der Beschuss des Hubschraubers vom Typ "Black Hawk" vom Donnerstag verstoße, da es sich um ein Transportmittel für medizinische Zwecke handele, gegen die Genfer Konventionen, erklärte das US-Zentralkommando.

Vier Menschen getötet

Bei neuen gewaltsamen Auseinandersetzungen im Irak sind vier Menschen getötet worden. Bei der Überprüfung eines Lastwagens in Tarmijah westlich von Bagdad hätten die Fahrer einen irakischen Sicherheitsbeamten mit einer Granate getötet, teilte die US-Armee am Dienstag mit. Auch einer der Angreifer sei getötet worden, als Sicherheitskräfte das Feuer eröffneten. Zwei Menschen seien verletzt worden. Anschließend wurden in dem Lastwagen demnach versteckte Waffen sowie Munition und Sprengstoff gefunden.

In der Widerstandshochburg Falluja töteten US-Soldaten zwei Iraker und verletzten drei weitere, wie die örtliche Polizei mitteilte. Die US-Soldaten hätten behauptet, sie seien von Unbekannten angegriffen worden, ehe sie wahllos um sich geschossen hätten, sagte ein Polizeivertreter. Ein Augenzeuge sagte, die Soldaten hätten offenbar wahllos einen blauen Kleinbus unter Beschuss genommen, ohne dass sie zuvor angegriffen worden seien.

Sieben Verletzte bei Protesten im südirakischen Al Kut

Soldaten der Besatzungstruppen im Irak haben am Dienstag in der südirakischen Stadt Al Kut das Feuer auf protestierende Arbeitslose eröffnet und dabei sieben Menschen verletzt. Nach Polizeiangaben waren aus der Menge der etwa hundert Demonstranten Granaten auf die Soldaten geworfen worden. Ein Korrespondent berichtete, ukrainische Soldaten hätten zunächst mit Warnschüssen in die Luft reagiert. Nach gewaltsamen Protesten am Vortag mit mehreren verletzten Polizisten und Soldaten hatten die ukrainischen Truppen in Al Kut Verstärkung angefordert.

Schiiten-Hochburg

Das 175 Kilometer südöstlich von Bagdad gelegene Al Kut ist eine Hochburg der Schiiten. Rund 1650 ukrainische Soldaten sind seit vergangenem August im Irak stationiert; sie stehen unter polnischem Oberkommando. In den schiitischen Regionen des Landes wächst die Unzufriedenheit mit den sozialen Zuständen. Am Samstag waren bei Protestkundgebungen von Arbeitslosen in Amara sechs Iraker getötet worden. Auch dort kam es am Montag trotz verstärkten Sicherheitsvorkehrungen zu neuen Demonstrationen.

Soldaten der US-geführten Besatzungstruppen haben am Dienstag in der südirakischen Stadt Al Kut das Feuer auf protestierende Arbeitslose eröffnet und dabei sieben Menschen verletzt. Nach gewaltsamen Protesten am Vortag hatten die ukrainischen Truppen Verstärkung angefordert. Das 175 Kilometer südöstlich von Bagdad gelegene Al Kut ist eine Hochburg der Schiiten.

In Bagdad schossen US-Soldaten auf ein mit Zivilpersonen besetztes Auto und töteten dabei den Fahrer und einen Zehnjährigen, wie Verwandte der Opfer am Dienstag erklärten. Zwei Frauen in dem Auto seien schwer verletzt worden. Unmittelbar zuvor war ein Fahrzeug des US-Konvois am Montag von einer am Straßenrand gelegten Bombe getroffen worden. Das Begleitfahrzeug habe dann wahllos das Feuer eröffnet. Am späten Montagabend erschütterten starke Explosionen den Osten von Bagdad. Dabei entstand geringer Sachschaden. Mindestens zwei Granaten detonierten in der Nähe von Hotels, in denen westliche Ausländer wohnen. Verletzt wurde niemand.

Acht Tote am Montag

Am Montag wurden bei Zusammenstößen zwischen Irakern und Besatzungssoldaten mindestens sieben Iraker und ein US-Soldat getötet sowie jeweils zwei amerikanische und ukrainische Soldaten verletzt. US-Soldaten erschossen sieben Iraker, die zusammen mit mehreren Komplizen dabei waren, eine Ölpipeline in der Nähe der nordirakischen Stadt Samarra anzuzapfen. Ein US-Soldat wurde getötet und zwei weitere erlitten Verletzungen, als im Zentrum von Bagdad ein Sprengsatz unter ihrem Fahrzeug explodierte, wie das US-Militärkommando in Bagdad bekannt gab.

Explosion vor Moschee verhindert

Wie die US-Armee am Montag mitteilte, hatte ein Wachmann am vergangenen Freitag in Bakuba die Explosion einer größeren Autobombe vor einer schiitischen Moschee verhindert. Die Polizei habe in einem Auto neben der Moschee 113 Kilogramm Plastiksprengstoff sowie größere Mengen Munition und einen Fernzündemechanismus gefunden. Bei einer Explosion neben einer anderen schiitischen Moschee im nordöstlich von Bagdad gelegenen Bakuba waren am selben Tag sechs Menschen getötet und 37 weitere verletzt worden. (APA/dpa)

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