"Haider-Effekt" auf Handelsbeziehungen mit Frankreich befürchtet

27. Jänner 2000, 14:41

Markenprodukte stärker bedroht als Investitionsgüter

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Paris - Die österreichische Außenhandelsdelegation in Paris befürchtet im Falle einer schwarz-blauen Regierungskoalition in Wien durchaus negative Auswirkungen auf die Handelsbeziehungen mit Frankreich. "Der Rückgang dürfte sich auf die österreichischen Exporte prozentuell zwar nicht sehr stark auswirken, aber eine Abnahme des Handelsvolumens um ein bis zwei Prozentpunkte wäre schon denkbar", erklärte Handelsrat Harald Kasper, Leiter der österreichischen Außenhandelsstelle in Paris, am Donnerstag.

Konsumrückgang bei Markenprodukten mit starkem Österreichbezug

Vor allem von französischen Einzelverbrauchern sei im Bereich von Markenprodukten mit starkem Österreich-Bezug ein Konsumrückgang zu erwarten. Als Beispiele nannte Kasper insbesondere die Trachtenmode und Sportartikel. Man könne auch nicht ausschließen, dass Firmen wie etwa Schneiders Vienna, die sich dieses Wochenende mit ihrer Taschenkollektion an der internationalen Gleitsportmesse Glissexpo in Paris beteiligt, "Opfer negativer Reaktionen vereinzelter Personen" werden, so der Handelsdelegierte.

Befürchtungen brachte Kasper insbesondere für den internationalen Wintersportsalon SIG zum Ausdruck, der vom 6. bis zum 8. März in Grenoble stattfindet, "zumal die österreichische Marke dort sehr konzentriert mit teilweise sehr großen Ständen auftritt."

Boykottaufrufe von NGO´s erwartet

"Wir haben in der Außenhandelsstelle per Fax schon zahlreiche Reaktionen von Einzelpersonen erhalten, die uns darauf hinweisen, dass sie nichts Österreichisches mehr kaufen werden", sagte Kasper und fügte hinzu, dass vor allem von den NGO-Organistionen Boykottaufrufe zu erwarten seien.

Für die Investitionsgüter und die Tätigkeit der Zulieferbetriebe, die "knapp vierzig Prozent der österreichischen Exporte ausmachen", sei die Gefahr allerdings "weit geringer", so der Handelsdelegierte. "Diese Bereiche beruhen auf langfristigen Verträgen, die nicht auf der Grundlage tagespolitischer Ereignisse abgeändert werden können", meinte Kasper. Auch sei es nicht denkbar, dass die Franzosen keine Renault-Wagen mehr kaufen, bloß weil sie österreichische Bestandteile enthalten, fügte Kasper hinzu.

Negative Auswirkungen im Toursimus

Die stärksten negativen Auswirkungen seien im Tourismus zu erwarten, da die Wahl des Urlaubsziels auf der Einzelentscheidung des Konsumenten beruhe. Für die übrigen Produkte habe bereits die jüngste "Rinderkrise" zwischen Frankreichund Großbritannien gezeigt, dass die Boykott-Absichten der britischen Bevölkerung nur begrenzte Auswirkungen auf das Handelsvlumen haben.

Die selbe Erfahrung, so Kasper, habe bereits Frankreich gemacht, das auf Grund der Atomversuche auf der pazifischen Insel Muroroa kurz nach dem Amtsantritt von Präsident Jacques Chirac auch in Österreich Gegenstand heftiger Kritiken und Boykott-Androhungen wurde. Auch in dem Fall habe sich das Gleichgewicht der Außenhandelsbilanz schon bald wieder eingerenkt, meinte Kasper. (APA)

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