Fünf Strategien à la carte

29. März 2006, 14:56
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Fünf Karrierepläne, die auch für weniger forsche Persönlichkeiten den Weg zum Ziel drastisch verkürzen können

Die Messe-Strategie:

Für Bewerber, die Hemmungen haben, ohne "Vorwarnung" in Unternehmen aufzutreten und sich vorzustellen, sind Karriere- und Recruiting-Messen eine gute Alternative. Dabei kommen Absolventen und Personalchefs zwanglos zusammen. Wenn Sie diese Chance nutzen wollen, sollten Sie dazu in der Lage sein, sich, Ihre Fähigkeiten und Ziele in wenigen Sätzen überzeugend vorzustellen. Wenn es dann zu einer Einladung zur Bewerbung kommt, haben Sie den unschätzbaren Vorteil, dass der Personalexperte Ihr Gesicht schon kennt und damit ein - hoffentlich - interessantes Gespräch verbindet.

Die Praktika-Strategie:

Eine Konstante des Arbeitslebens ist, dass Personalchefs viel Sympathie für Inhouse-Besetzungen haben: Wer sich im Unternehmen bereits auskennt und nachgewiesenermaßen gute Leistung bringt, der ist oft der beste Kandidat für höhere Weihen im Unternehmen. Praktika, Volontariate und "Nebenjobs" in interessanten Unternehmen sind ein guter Türöffner für attraktive Jobs in diesen Unternehmen. Das bedeutet: Die beste Methode, um einen interessanten Job in einem Unternehmen zu finden, ist, dort zu arbeiten.

Bevor Sie sich wochen- und monatelang nur damit beschäftigen, Bewerbungsunterlagen zu versenden und auf Antwort zu warten, ist ein - unbezahltes - Praktikum bei einem Unternehmen, das für Sie interessant ist, oft der erfolgreichere Weg zu einem attraktiven Job.

Die Comeback-Strategie:

Personalchefs sind auch nur Menschen. Deshalb kommt es in der Praxis mitunter vor, dass sich der Sieger des Bewerbungsverfahrens nach ein paar Wochen im Job doch nicht als der ideale Kandidat herausstellt. Oder dass mehr Mitarbeiter eingestellt werden müssen als ursprünglich geplant. Dann schlägt die Stunde derer, die beim Bewerbungsverfahren zwar sehr gut abgeschnitten haben, aber nicht als Sieger aus dem Verfahren hervorgegangen sind.

Bei vielen Unternehmen wird die zweite Wahl in Evidenz gehalten, aber nicht systematisch aufgearbeitet. Deshalb ist es sinnvoll, sich dem Unternehmen regelmäßig, aber unaufdringlich in Erinnerung zu rufen (etwa durch Besuch von Veranstaltungen, Mail, Anruf). Wenn ein Anruf kommt, ob man für ein weiteres Gespräch zur Verfügung stehen würde, sollte man sich nicht ins Schmollwinkerl zurückziehen, sondern aktiv in die zweite Runde um den Job einsteigen.

Die Werbe-Strategie:

Viele Bewerber schrecken vor einer Werbekampagne in eigener Sache zurück. Dabei sind gut gemachte und in den richtigen Medien platzierte Eigeninserate ein durchaus Erfolg versprechender Weg. Wichtig dabei: Die Unternehmen müssen eine klare Vorstellung von Ihren Fähigkeiten und Ihrer Motivation erhalten. Nichts sagende Floskeln und Schlagworte (zum Beispiel: dynamisch, erfolgsorientiert) sollte man dabei ebenso vermeiden wie Übertreibungen wie "genialer Stratege". Eine klare, prägnante Sprache, die Vermeidung von Abkürzungen und aktive Formulierungen (z. B. "Ich arbeite effizient und zielorientiert") sorgen dafür, dass Ihre Botschaft optimal verstanden wird. Das Schalten eines Inserats ist Erfolg versprechend, wenn Sie in einem Klein- oder Mittelbetrieb arbeiten wollen, der in die Personalsuche und -auswahl selbst wenig Geld investiert.

Die Desinteresse-Strategie:

Ja, auch das gibt's: Personen werden umso interessanter, je weniger Interesse sie an einem Wechsel zeigen. Diese Strategie macht vor allem für Führungskräfte Sinn. Wenn Headhunter Kandidaten direkt akquirieren wollen und dabei eine Absage ernten ("Nein, ich bin mit meinem Job absolut zufrieden"), dann werden manche Personalberater erst richtig hellhörig. Die "Desinteressierten" kommen aus einem intakten Umfeld, sind erfolgreich, selbstkritisch, strategisch und stehen mit beiden Füßen fest auf dem Boden.

Sie sind vor allem kritisch in der Auswahl einer neuen Aufgabe, ihr Job ist ja schließlich noch spannend und befriedigend. Aber irgendwann, und das wissen erfahrene Headhunter, kommt der Zeitpunkt, an dem auch der desinteressierte Kandidat nicht Nein sagen kann. (DER STANDARD, Printausgabe, 10./11.1.2004)

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  • Karrieremessen sind eine wichtige Informationsquelle - Sie bieten eine Plattform, um mit Personalchefs zwanglos ins Gespräch zu kommen und sich über die Mitbewerber zu informieren

    Karrieremessen sind eine wichtige Informationsquelle - Sie bieten eine Plattform, um mit Personalchefs zwanglos ins Gespräch zu kommen und sich über die Mitbewerber zu informieren

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