US-Terror-Pickerl für Fluggäste

14. Jänner 2004, 18:09
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Je nach Datenlage werden Passagiere als rot, gelb oder grün eingeschätzt - Datenschützer warnen vor neuer Rasterfahndung

Wer in der Zukunft in den USA ein Flugzeug besteigt, erhält eine Farbe und eine Nummer - je nachdem, als wie gefährlich ihn ein Computersystem einschätzt: Grün bedeutet, der Passagier kann sein Flugzeug besteigen. Bei Gelb muss er eine weitere Sicherheitskontrolle über sich ergehen lassen und "rote Passagiere" dürfen nicht fliegen.

"CAPPS 2" kommt im Sommer

Wer grün, rot oder gelb ist, entscheiden die Daten, die den Sicherheitsbehörden über den jeweiligen Passagier vorliegen und die mit den "Terroristenlisten" abgeglichen werden sollen. In den nächsten Monaten sollen die entsprechenden Programme zur Überprüfung der Passagiere getestet werden, teilte die Transportsicherungsbehörde mit; und schon im Sommer wolle man das Programm mit dem Namen "CAPPS 2" einsetzen.

Datentransfer erzwingen

Vorerst fehlt es noch an den Daten: Denn die Fluggesellschaften und Flugticket-Büros übermitteln den Sicherheitsbehörden bisher nur die Passagierlisten ohne die von den US-Behörden gewünschten zusätzlichen Informationen. Nun sollen sie dazu gezwungen werden - eine entsprechende Verordnung könnte schon im nächsten Monat erlassen werden: Name, Adresse, Telefonnummer, Geburtsdatum und Reiseziel sollen in eine Datenbank eingespeist werden und dann mit öffentlichen Daten und Daten der Bankinstituten abgeglichen werden, berichtete die "Washington Post". Datenschützer warnen vor einer Rasterfahndung im großen Maßstab.

Ein zweites Programm soll ebenfalls noch in diesem Jahr eingeführt werden und die Situation für Vielflieger erleichtern: Wer den USA persönliche Daten liefert, soll die Sicherheitslinien schneller passieren dürfen. Wer nicht, muss eben mit weiteren Kontrollen rechnen.

Schlange stehen

Im Schlangestehen haben US-Reisende ja bereits Übung: Seit Anfang des Jahres werden von den Passagiere vieler Staaten mit Visapflicht bei der Ankunft in den USA die Fingerabdrücke abgenommen und sie werden fotografiert. Österreichische Touristen sind davon allerdings nicht betroffen.

Kritik daran kam bisher beispielsweise aus Tschechien und Brasilien. Brasilien ließ US-Reisenden vorübergehend die gleiche Behandlung zukommen, beendete dieses Programm aber bereits wieder.

Fluggesellschaften weigerten sich

Bisher weigerten sich die US-Fluggesellschaften, an den CAPPS-2-Tests teilzunehmen, da sie einen Boykott der Konsumenten befürchteten. Die Delta Air Line war aus einer Vereinbarung mit der Transportsicherungsbehörde ausgestiegen, nachdem Datenschützer eine Website ins Leben gerufen hatten, auf der sich zu einem Boykott aufgerufen haben. Die EU - deren Einwohner ebenso überprüft und eingestuft werden sollen - kritisierten, dass das System die europäischen Datenschutzrichtlinien verletze, erlaubten der Transportsicherungsbehörde jedoch, die Daten zu Testzwecken zu benutzen. (red)

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    montage: derstandard.at
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