Manager als Macher stark gefragt

28. April 2004, 13:52
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Hernstein-Report: Führungskräfte der EU-Beitrittsländer wenden mehr Zeit für operative Aufgaben auf und sind sozial kompetent

Manager in Tschechien, Slowenien und Ungarn widmen deutlich mehr als die Hälfte ihrer Arbeitszeit operativen Aufgaben. Nur 38 Prozent der Arbeitszeit fließen in den Bereich der strategischen Planung und Ausrichtung. Das besagt eine Studie des Hernstein Management Reports zum Thema "Führung in osteuropäischen Unternehmen".

Befragt wurden rund 450 Manager in Großbetrieben zwischen Prag, Bratislava und Budapest und ebenso viele in Österreich, Deutschland und der Schweiz. Auftraggeber der Studie war das Hernstein International Management Institute, Ausführender die OGM.

Operative Österreicher

Doch: Nicht nur die Manager der Beitrittsländer, auch die Führungskräfte aus dem deutschen Sprachraum wenden mehr Zeit, nämlich sogar im Schnitt 60 Prozent ihrer Zeit für operative Aufgaben auf. Am intensivsten betreiben dies die heimischen Manager: So fand der Hernstein Management Report heraus, dass die Manager der rot-weiß-roten Alpenrepublik immerhin 64 Prozent ihrer Arbeitszeit dafür aufwenden.

Während die tschechischen, ungarischen und slowenischen Kollegen rund ein Drittel ihrer Zeit mit der Erledigung eigener Fachaufgaben verbringen, widmen sie bereits etwas weniger als ein Viertel ihrer Zeit dem Planen und Steuern des Unternehmens. Einzige Ausnahme sind - laut Hernstein-Studie - slowenische Führungskräfte, die immerhin 27 Prozent ihrer Zeit in Strategien investieren.

Soziale Kompetenz erlernbar?

Geht es um Fähigkeiten und Fertigkeiten im zwischenmenschlichen Bereich in Unternehmen, so glaubt immerhin ein Drittel der Führungskräfte aus den EU-Beitrittsländern, dass soziale Kompetenz erlernbar sei.

Hingegen sind Führungskräfte in den deutschsprachigen EU-Ländern gegenteiliger Meinung: Nur 14 Prozent der Befragten unterstrichen diese These, hingegen sagten 83 Prozent, dass eine Führungskraft soziale Kompetenz schon selbst mitbringen müsse.

Mehr Fachkompetenz

Und: Je größer das Unternehmen, desto eher meinten die Befragten, dass Manager sozial kompetent seien müssten. In Betrieben mit 1000 Mitarbeitern glauben dies sogar schon 70 Prozent der Befragten.

Geht es um das optimale Verhältnis zwischen Fach-und sozialer Kompetenz, so sprachen sich die Manager der EU-Beitrittskandidaten vorwiegend für Fachkompetenz (63 Prozent) und weniger für soziale Kompetenz (37 Prozent) aus. Vor allem ungarische Manager erachten Fachkompetenz als besonders wichtig und bewerteten diese mit 66 Prozent. In Deutschland, Österreich und der Schweiz ist die Relation zwischen Fach- und sozialer Kompetenz eher ausgewogen.

Vertrauen

Vertrauen zählt zu den wichtigsten Grundlagen für die Zusammenarbeit zwischen Mitarbeitern und ihren Vorgesetzten. Darin sind sich die Führungskräfte aus den Beitrittsländern auch einig: Vor allem die slowenischen Manager geben dem Thema "Vertrauen" einen sehr hohen Stellenwert. Auf einer Skala von 0 bis 100 bewerteten sie es immerhin mit 87 Punkten.

Hier herrscht auch Einigkeit mit den Managern der deutschsprachigen EU-Länder: Sie bewerteten das Thema sogar mit bis zu 92 Punkten. (Judith Grohmann, DER STANDARD, Printausgabe, 10./11.1.2004)

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