Den Haag: Milosevic-Prozess fortgesetzt

14. Jänner 2004, 15:03
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Anklage hat noch 17 Verhandlungstage Zeit, ihre Beweise vorzulegen - Danach folgt Verteidigungsmarathon von Milosevic

Belgrad/Den Haag - In Montenegro übermittelte eine Bürgergruppe ihre Neujahrswünsche an den früheren jugoslawischen Staatschef Slobodan Milosevic über eine Zeitungsanzeige: "Glückliches serbisches Neujahr an Präsident Slobodan Milosevic", lautet die große Aufschrift der Anzeige, die vier Bürger aus Niksic im "Dan" veröffentlichten. Der liebe Gott möge Milosevic "viel Glück, Gesundheit und Freude" schenken, so die Gratulanten anlässlich des neuen Jahres, das nach dem von der serbisch-orthodoxen Kirche eingehaltenen Julianischen Kalender in der vergangenen Nacht begonnen hat.

Andere Probleme

In Belgrad sind die Anwälte von Milosevic derzeit mit ganz anderen Fragen befasst. Vor dem UNO-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag ist am Dienstag nach einer fast vierwöchigen Weihnachtspause der Prozess gegen den ehemaligen jugoslawischen Präsidenten Slobodan Milosevic fortgesetzt worden. Die Tribunalsanklage hat noch 17 Verhandlungstage, um ihre Beweisvorführung abzuschließen. Danach soll eine dreimonatige Pause erfolgen, nach welcher Milosevic seine Verteidigung präsentieren wird. Der Ex-Staatschef soll für seine Gegenbeweise eben so viel Zeit bekommen, wie dies die Anklage gehabt hatte. Dies bedeutet, dass der im Februar 2002 gestartete Prozess noch mindestens zwei Jahre dauern dürfte.

Fortsetzung des Prozesses

Vor dem UNO-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag ist am Dienstag nach einer fast vierwöchigen Weihnachtspause der Prozess gegen den ehemaligen jugoslawischen Präsidenten Slobodan Milosevic fortgesetzt worden. Die Tribunalsanklage hat noch 17 Verhandlungstage, um ihre Beweisvorführung abzuschließen. Danach soll eine dreimonatige Pause erfolgen, nach welcher Milosevic seine Verteidigung präsentieren wird. Der Ex-Staatschef soll für seine Gegenbeweise eben so viel Zeit bekommen, wie dies die Anklage gehabt hatte. Dies bedeutet, dass der im Februar 2002 gestartete Prozess noch mindestens zwei Jahre dauern dürfte.

Journalisten sagen aus

Der Belgrader Sender B-92 meldete unter Berufung auf die Tribunalskreise, dass die Anklage die verbliebenen Verhandlungstage dazu nutzen wolle, um vor allem die Beweise für den angeblichen Völkermord in Bosnien-Herzegowina zu präsentieren. Vor dem Tribunal sollen den Ankündigungen nach sowohl Diplomaten wie auch erneut einige Journalisten aussagen. Laut dem Belgrader Sender ist es im Tribunal zuerst noch nicht bestätigt worden, dass im Prozess gegen Milosevic auch die einstige bosnisch-serbische Präsidentin Biljana Plavsic aussagen wird. Die Belgrader Tageszeitung "Danas" berichtete am Montag, dass die einstige Präsidentin der bosnischen Republika Srpska womöglich schon diese Woche vor dem Tribunal erscheinen werde.

Belastungszeugen

Unter den Belastungszeugen, die im Prozess gegen Milosevic erwartet werden, befindet sich erneut auch der einstige jugoslawische Regierungschef Ante Markovic, der bereits Ende des Vorjahres ausgesagt hatte. Einer der Zeugen soll auch der frühere Berater des kroatischen Präsidenten Tudjman, Hrvoje Sarinic, sein.

Milosevic lehnte es ab, die ihm Ende September zugestellte Anklage wegen Mitbeteiligung an der Ermordung des früheren serbischen Präsidenten Ivan Stambolic im August 2000 entgegenzunehmen. Entsprechend dem Gesetz wird die Anklage nun acht Tage lang am Schwarzen Brett des Belgrader Kreisgerichtes hängen bleiben, wo sie auch die Anwälte des Angeklagten lesen können.

Mordanschlag gegen Draskovic

Die Anklage gegen Milosevic und weitere acht Personen, die im September des Vorjahres in Belgrad erhoben wurde, bezieht sich neben der Ermordung von Stambolic auch auf den versuchten Mordanschlag auf den Führer der Serbischen Erneuerungsbewegung (SPO), Vuk Draskovic, im Juni 2000. Beide Straftaten wurden von Angehörigen der Spezialpolizeieinheit "Rote Barette" unter dem Kommando des damaligen Einheitskommandanten Milorad Lukovic "Legija" verübt.

Die Leiche von Stambolic wurde im März des Vorjahres am Berg Fruska Gora unweit der Vojvodina-Hauptstadt Novi Sad entdeckt, wo sie von den Mördern knapp drei Jahre zuvor begraben worden war. Die Gerüchte, wonach die Ermordung von Stambolic von der Gattin Milosevics, Mira Markovic, angeordnet worden war, wurden bisher nicht bestätigt. (APA)

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    Im Mai wird der Prozess nach der Präsentation der Beweise der Anklage mit der Verteidigung Milosevics wieder fortgesetzt.

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